Effektive Führung im Zeitalter der digitalen Transformation in den Unternehmen heißt:
- Die besonderen organisatorischen Aspekte der Digitalisierung zu kennen und mit diesem Wissen Entscheidungen zu treffen.
- Der IT Abteilung so zu steuern, so dass diese die Befähigung besitzt, gleichzeitig das Change-Management und die technische Entwicklung der digitale Transformation durchzuführen.
- Die Digitalisierung selbst im Management zu vollziehen, um die tieferen Aspekte der Digitalisierung zu verstehen und nachhaltige Entscheidungen treffen zu können.
1. Wissen um Digitalisierung.
Führung bedeutet nach Malik zuerst einmal Ziele vorgeben, Organisieren, Entscheiden, Kontrollieren und Menschen führen. Ich möchte hier nicht die verschiedenen Theorien wiederholen, die verschiedenen Arten der Führung oder Unternehmensgrößen bearbeiten. Sondern ich möchte einen Aspekt der Führung hervorheben, der zeigt, nach welches Verständnis die Digitalisierung verlangt. Es ist der Zwiespalt in der Führung zwischen dem Willen tragfähige Entscheidungen zu fällen und der Möglichkeit zu kommunizieren. Wer innerhalb der Digitalisierung tragfähige Entscheidungen fällen möchte, braucht genügend Informationen. Diese Informationen über die Veränderungen organisatorischer Abläufe sollten vorliegen, denn über diese muss letztendlich entschieden werden. Gleichzeitig bedeuteten die Veränderungen in der digitalen Transformation eines Unternehmens auch ein Öffnen gegenüber der Kommunikation. Was sich wieder auf die Führung des Unternehmens auswirkt. Führung in der Digitalisierung heißt Veränderungen offen gegenüber zu stehen und sie auch in der Veränderung der Organisation beurteilen zu können.
Digitalisierung bedeutet heute das zwangsweise Verändern von organisatorischen menschlichen Arbeitsabläufen in verzahnte, teilweise menschliche und computerunterstützte Arbeitsabläufe. Das was früher an Know-how in den Köpfen steckte, ist nun als Information teilweise im Computer vorhanden. Mensch und Computer arbeiten zusammen. Da die Daten im Computer viel schneller kopiert, verschickt und als Entscheidungsgrundlage benutzt werden können, verändern sich alle organisatorischen Abläufe durch die Benutzung von weltweit vernetzten Computern enorm. Was wirtschaftlich sehr viele Möglichkeiten im Bereich der Märkte, Produktentwicklung und Arbeitsorganisation eröffnet. Wer sich heute dem nicht stellt, wird mit seinem Unternehmen langsamer vorankommen.
Das Wichtige in diesem Zusammenhang ist, dass Digitalisierung und die digitale Transformation eine organisatorische Veränderung ist, die stark auf einer technischen Basis fundiert. Das bedeutet im Management sollten die organisatorischen Veränderungen der Digitalisierung beachtet werde. Tatsächlich passiert aber etwas anderes. Sehr häufig wird die Diskussion über die Digitalisierung auf technischer Ebene geführt. Was auch daran liegt, dass die Produkte, die für den Umbau, z.B. einer Abteilung angeboten werden, Soft-und Hardwareprodukte sind. Die Diskussion, welche Mittel eingesetzt werden müssen, erfolgt auf hohem technischem Niveau, das sehr viel Verständnis erfordert. Führungskräfte, die bis dahin die organisatorischen und wirtschaftlichen Aspekte der Führung im Vordergrund sahen, haben das Nachsehen. Ihnen fehlt das technische Verständnis. Manager, die mit IT Firmen zu tun hatten und das Vokabular kennen, haben hier klare Vorteile.
Betrachten wir das ganze etwas genauer, sehen wir, dass auch IT Manager die gleichen Fehler machen, weil ihnen das organisatorische Verständnis fehlt. Um die Digitalisierung zu verstehen, muss kein tiefer gehendes technisches Verständnis erlangt werden. Das ist auch gar nicht die Aufgabe einer Führungskraft, auch wenn die Diskussion momentan genau dahin geht. Es hat viele Vorteile für die Softwarefirmen und die Berater, die darüber diskutieren, das zu empfehlen. Der Vorteil ist ihr technisches Verständnis. Man glaubt ihnen mehr.
Wichtig ist, die Aspekte der Digitalisierung zu kennen, um darauf Entscheidungen und Planung zu setzen.
Die Aspekte sind:
- Flexibilität und Lehrfähigkeit des Unternehmens. Die digitale Transformation erfordert eine hohe Flexibilität und Lernfähigkeit der Mitarbeiter und Organisationsstrukturen. Hier sind Mittel der Business Transformation, der Organisationsentwicklung und des Change-Managements erste Wahl. Wichtig ist auch, die Grundzüge eines übergreifenden Innovationsmanagements zu kennen. Die Welt steht nicht still.
- Transparenz der Kommunikation und Arbeitsschritte. Vernetzte computerisierte Arbeitsabläufe hinterlassen bei den Mitarbeitern oft ein Gefühl nicht alle Arbeitsschritte zu kennen. Auch können computerisierte Arbeitsschritte falsch sein oder werden nicht kontrolliert. So ist eine transparente Arbeitsumgebung, die Möglichkeit für jeden Mitarbeiter, jederzeit, ohne Angst, jeden zu etwas zu fragen und daraus Entscheidungen abzuleiten, immanent wichtig. Eine autoritäre Struktur, wie wir sie von normalen Arbeitsabläufen kennen, behindern die Arbeitsabläufe eher. Kontrolle und Führung geschieht in digitalen Prozessen über die Struktur der Arbeitsabläufe und der Kontrolle der Datenhaltung. Prozesse sind deswegen nicht weniger reguliert, wenn sie in einer transparenten Umgebung vorgehen. Gleichzeitig sorgt eine transparente Arbeitsumgebung für mehr Motivation und Lernbereitschaft, weil die Grenzen der Arbeitsumgebungen nicht mehr so klar gezogen sind.
- Agilität der Arbeitsprozesse. Da ein Teil der Arbeitsprozesse im Computer abläuft, die Prozesse gleichzeitig durch die Digitalisierung rationalisiert werden, steigt die Geschwindigkeit der Arbeitsprozesse und deren Durchsatz. Dies gilt für die Produktion, wie für Dienstleistungen. Der Geschwindigkeitsvorteil hat aber einen großen Nachteil. Die Arbeitsprozesse werden, wegen ihrer Geschwindigkeit weniger extern kontrolliert, z.B. vom Kunden oder durch den Markt. Wenn etwas nicht gut läuft, werden sehr viele Produkte oder Dienstleistungen produziert, bis etwas bemerkt wird. Dieser Nachteil lässt sich in einen Vorteil umbiegen. Wird stattdessen viel häufiger wie vorher kontrolliert und gleichzeitig der Fokus von innen nach außen auf den Kunden gelegt, kann gleichzeitig mehr produziert werden und Fehler im Prozess werden schneller bemerkt. Das funktioniert nur mit Computerunterstützung der Informationsverarbeitung. Agile Prozesse bevorzugen dadurch oft auch die einfacheren und praxisbezogeneren Arbeitsweisen.
- Jeder Mitarbeiter ist ein Entrepreneur. Durch die Geschwindigkeit und Transparenz der Prozesse in digitalisierten Arbeitsprozessen schlägt sich eine höhere Verantwortung bei den Mitarbeitern nieder. Und diese Verantwortung für Entscheidungen müssen die Mitarbeiter übertragen bekommen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Mitarbeiter brauchen die Rolle des Entrepreneurs, des selbstständigen Mitarbeiters, der am Erfolg der Leistung teil hat. Dieses Mehr an Freiheit sorgt nicht für schlechtere Prozesse, da Fehler sehr schnell über die Kundennähe, Agilität und die Datenkontrolle auffallen würden. Stattdessen sorgt das Mehr an Freiheit für mehr Zufriedenheit beim Mitarbeiter.
- Die Mitarbeiter sind besser vernetzt. In den computerisierten Arbeitsabläufen sind die Mitarbeiter stärker vernetzt. Auch sehr unterschiedliche Abteilungen müssen nun besser und offener zusammenarbeiten. In einer digitalisierten Firma, können sich Abteilungen nicht mehr abschotten, weil die Prozesse sehr viel mehr verzahnt sind. Teamwork und Soft-Skills sind sehr wichtig. Die offenen Methoden des Design Thinkings ermöglichen schnellere, transparente und kundennahe Entscheidungen, die die Mitarbeiter treffen können.
- Alles ist global. Ist ein Unternehmen global aufgestellt oder mit Lieferanten und Kunden verbunden, ist es wichtig die globale Netzwerke und deren kulturellen Grundlagen zu beachten. Informationen werden digital sehr viel schneller verteilt. Das Unternehmen muss auch global denken können, global lernen und sich global verantwortlich fühlen. Probleme mit fremden Märkten, Kunden oder Zulieferern können durch eine sensibel ausgeführte Compliance vermieden werden.
2. Die Rolle der IT.
Ein besonderer Augenmerk in der Digitalisierung eines Unternehmens ist auf die IT Abteilung zu lenken. Sie ist die ausführende Instanz der Digitalisierung. Hier können wir in letzter Zeit der Krise der IT Abteilungen zusehen. Sie sind nicht mehr leistungsfähig genug, um alle an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen. Stattdessen werden die Fachabteilungen immer mehr mit einbezogen um technische Entscheidungen zu treffen. Eine Notlösung, denn das Problem des Umgangs mit der digitalen Transformation wird nur verschoben.
Wie jede Abteilung in einem Unternehmen, hat diese Abteilung eine spezielle Anforderung zu erfüllen. Die der IT Abteilung ist die der Unterstützung der digitalen Transformation. Hier wird sehr schnell klar, woher die Krise der IT Abteilungen kommt. Von ihren Funktionen her hatten sie bisher rein technische Anforderungen zu erfüllen. Heute sind die eigentlichen Anforderungen organisatorischer Art. Es müssen ständig Arbeitsabläufe umgeändert und neu erfunden werden. Zusammen mit ihren technischen Anforderungen ist die IT nun überfordert.
Die wirkliche heute geforderte Aufgabe der IT ist das Change-Management innerhalb der digitalen Transformation. Ein Verlegen der Aufgaben in die Fachabteilungen löst nur kurzzeitig das Problem. Richtig ist, eine IT Abteilung aufzubauen, die die Kenntnisse hat, gleichzeitig das Change-Management und die technische Entwicklung innerhalb der digitalen Transformation zu bewältigen. Dazu ist dort wirtschaftliches, psychologisches und technisches Wissen zu integrieren.
Die Steuerung einer so aufgestellten IT Abteilung kann zusammen mit den Kenntnissen der Aspekte der Digitalisierung die Führung innerhalb eines sich in der digitalen Transformation befindlichen Unternehmens effektiv erleichtern. Die Chance der Digitalisierung eines Unternehmens und deren Veränderungsprozesse innerhalb des Unternehmens sind einfacher zu steuern. Die Führung kann sich auf die hauptsächlichen Aspekte der Digitalisierung besinnen und muss sich nicht mit, teilweise kleinen technischen Entscheidungen rumschlagen. Damit meine ich nicht, dass ein Manager kein technisches Wissen besitzen sollte. Ganz im Gegenteil. Technisches Wissen in der Informationstechnologie ist heute essentiell geworden. Es geht darum, Aufgaben zu verteilen. Und die Aufgabe der IT ist die digitale Transformation zu begleiten. Niemand würde heute auf die Idee kommen kleine Entscheidungen des Einkaufs oder juristische Entscheidungen der Personalabteilung von einem Managementboard absegnen zu lassen. In der IT ist dies leider heute häufig so. Die technischen Aspekte stehen im Vordergrund, nicht die organisatorischen, die es zu regeln gilt. Digitalisierung ist Chefsache. Aber nicht in jeder technischen Einzelheit, sondern in den Aspekten der Digitalisierung, in denen abzulesen ist, ob die digitale Transformation erfolgreich verläuft. Ohne diese Aspekte ist keine Steuerung der unumgänglichen digitalen Transformation möglich. Die IT Abteilung ist das Steuerruder der digitalen Transformation.
3. Digitalisierung des Managements.
Als dritter Punkt in der Digitalisierung ist die Nachhaltigkeit der Prozesse zu betonen. Das ist nur möglich, wenn innerhalb der Führung die Aspekte der Digitalisierung verstanden werden und die Steuerung des IT Managements vernünftig geschieht. Verstehen geschieht über Teilhabe. Das bedeutet, das Management muss sich mit all seinen Arbeitsprozessen genauso der digitalen Transformation ausliefern, darüber diskutieren, das Für und Wieder erkennen und bereit sein Arbeitsprozesse zu ändern. Auch das Management muss agil, transparent, vernetzt, global und kultursensibel agieren. Erst dann können, wenn die Aspekte der Digitalisierung verstanden sind, Entscheidungen wirklich tragfähig und nachhaltig begründet werden. Das bedeutet, für eine Führung in der digitalen Transformation brauche ich die Erfahrung der Fehler, Widerstände und des Erfolgs in der eigenen digitalen Transformation meiner Arbeitsprozesse.
Wird die Digitalisierung angegangen ohne diese 3 Schritte zu verfolgen, werden Entscheidungen weiterhin nur mit technischen Abläufen begründet, so kann sich nicht der Wirklichkeit der digitalen Revolution gestellt werden. Es wird zu Problemen mit der IT Abteilung und der eigenen Entscheidungsfähigkeit kommen. Die digitale Revolution in den Unternehmen ist nicht nur eine Revolution der Arbeitsabläufe, sondern auch eine Änderung der Managementkultur. Wer sich dieser nicht stellt und sein Unternehmen weiterhin konservativ führt, wird vieles verlieren, wenn sich die Konkurrenz der Digitalisierung erfolgreich nähert.
Dirk Schumacher 18.7.2018


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