Zusammenfassung:
Die modernen Herausforderungen der Wissenschaft sind die Auswirkungen der Globalisierung und Wissensstrukturgesellschaft. Möchte die Wissenschaft ihre Glaubwürdigkeit und das Ziel einer starken Rationalität behalten, sollte sie sich als Instrument der gesellschaftlichen Stabilisierung verstehen und in Konflikten vermitteln.
Wissenschaft besteht nicht nur aus technischen Objekten, wissenschaftlichen Formeln und geisteswissenschaftlichen Abhandlungen, sondern sie ist auch in den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang eingebettet und unterliegt ihrem Einfluss. Wer weiter in die Zukunft schauen möchte, als die Extrapolation wissenschaftlicher Projekte führt, muss über den Tellerrand hinausschauen.
Ich werde daher versuchen 3 Fragen beantworten.
- In welche gesellschaftlichen Strömungen ist die Wissenschaft gebettet?
- Was ist Wissenschaft und was sind ihre Bedingungen?
- Das die Beantwortung beider Fragen auch eine wissenschaftliche Grundlage haben soll, gilt die Frage: Aus welchen Gründen werden die beiden vorderen Fragen gestellt oder welche ethische Fragestellung unterliegt dem ganzen Konzept?
1. In welche gesellschaftlichen Strömungen ist die Wissenschaft gebettet?
In den letzten Abhandlungen über Kapitalismus und Demokratie, in denen ich mich hauptsächlich auf Polanyi, Schumpeter und Habermas beziehe, wurde klar, dass die größte moderne vorherrschende gesellschaftliche Strömung der Kapitalismus ist.
Folgendes sind geschichtlich gesehen menschliche Errungenschaften, die direkt mit dem Kapitalismus verbunden sind:
- Erschaffen von Technik, Aufbau von Organisationen, Erfinden von sozialen und technischen Innovationen.
- Neue hierarchische Strukturen aufgrund von Privatbesitz, Finanz und Informationsbesitz, Abkehr vom Feudalismus.
- Demokratische Willensbildung, Abkehr von Merkantilismus und Absolutismus.
- Globaler und internationaler Handel, Marketing, Marktkompetenz, Entrepreneurtum, Abkehr vom stationären, städtischen Markt.
- Ausbildung von Konkurrenzmärkten, schwacher Vertrauenskontrakte und darauf folgend Markt- und Preistransparenz.
- Ausbildung eines Marktes der Ungleichheit, der den Arbeitsbegriff und die Rolle des Arbeiters neu definiert, Abkehr vom Feudalismus.
- Ausbildung von marktumspannende Institutionen und politische Regularien, sowie neue Bildungssysteme.
- Ausbildung neuer symbolischer Kapitalformen, Abkehr von familiären oder landbezogenen symbolischen Kapitalformen.
- Ausbildung eigener internationaler Handelskommunikation, unabhängig von nationaler Kommunikation.
- Ausbildung neuer sozialer Rollen, individueller Persönlichkeit und Habitus. Prädestination. (Vorherbestimmung) als Hierarchisierung und Vorstufe der Romantischen Identifikation, dass das Bewusstsein des modernen Menschen bestimmt.
- Fortwährende Kritik als eingebaute Innovation im Wirtschaftssystem durch Demokratie.
- Ausbildung eines sozialen Materialismus im Geist des Kapitalismus als Leistungsgesellschaft.
- Erhöhung des Tempos der sozialen Differenzierung und Spezialisierung .
- Erweitertes Bevölkerungswachstum, Erhöhung von Wohlstand und Gesundheitsversorgung, Ausbildung neuer Begriffe von Evolution, Wachstum und Genese.
Bezogen auf die Frage, wie Wissenschaft darin entsteht, stehen diese Gesichtspunkte heraus:
- Wissenschaft ist ein Teil der Entwicklung des Kapitalismus. Ohne Wissenschaft ist Kapitalismus nicht möglich. Und ohne die Kapitalisierung sind wissenschaftlichen Organisationen und industrielle Forschung und Entwicklung nicht handlungsfähig.
- Ohne schwache Vertrauenskontakte, ohne Handel oder Verträge ist Wissenschaft nicht möglich.
- Die Wissenschaft ist die Organisation und Industrialisierung der sozialen Evolution der Technik.
Daraus lässt sich Folgendes schliessen:
- Wissenschaft ist in die Machtdiskurse und politische Strukturen des Kapitalismus eingebunden und somit nicht frei im Handeln oder in der Moral. Sondern sie folgt den gesellschaftlichen Strömungen (Kuhn). Wissenschaft erzeugt das, was gerade erforderlich ist. Das Projekt der Aufklärung ist nicht gescheitert, sondern nur die historische Vision der Aufklärung. Sie ist durch einen neue Vision ersetzt worden, der gescheiterten Aufklärung und der wissenschaftlichen unmoralischen Technik.
- Im sozialen Umfeld der Wissenschaftler finden Machtdiskurse, der Handeln von Ressourcen, informelle Verträge, sowie formelle rechtliche Handlungen statt (Foucault, Latour, Lakatos)
- Der Weg der Wissenschaft im Kapitalismus ist essentiell mit dem Scheitern oder Erfolg, der Ethik oder Moral der Kapitalisierung von Produktionsfaktoren verbunden (Polanyi). Inwieweit die Evolution der Wissenschaften zu Konflikten, Kriegen oder der besseren Versorgung und Selbstbestimmung der Menschen führt, liegt in den Visionen und Errungenschaften, die die Wissenschaft in Technik und Politik einführt und die dort akzeptiert und kapitalisiert werden.
Wissenschaft ist nicht wertfrei, sondern in die Kapitalisierung der Produktionsfaktoren einbezogen. Es stellt sich die Frage, wie die Kapitalisierung von Produktionsfaktoren zu gesellschaftlichen Änderungen führt und wie diese auf die Wissenschaft zurückwirken.
Zur Beantwortung der Frage werde ich die Theorie der Kapitalisierung von Produktionsfaktoren von Polanyi mit der Theorie der politischen Auswirkungen von Veränderungen von Produktionsfaktoren von Rogowski zusammen betrachten.
Polanyi und Rogowski unterscheiden die 3 Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital. Aus den Arbeiten von Foucault (Alcoff, Haslanger, Fanon) möchte ich den Körper als die früheste Form der Kapitalisierung eines Produktionsfaktors hinzufügen. In neuerer Zeit und aus dem letzten Artikel über Kapitalismus und Demokratie füge ich auch die Wissensstrukturgesellschaft (Lyotard, Adébísí) dazu.
Die Veränderung der Produktionsfaktoren ist auf 2 Einflüsse zurückzuführen. Innere, was gesellschaftliche Änderungen, Wachstum oder Zusammenbruch in der Struktur der Produktionsfaktoren bedeutet. Und äussere Einflüsse, was eine Erweiterung oder Verringerung des Handels bedeutet und im allgemeinen ein geografischer oder globaler Einfluss ist. Veränderungen an den Produktionsfaktoren, werden durch Änderungen von Angebot und Nachfrage ausgelöst und führen bei den Handelspartner zu größerem Vertrauen oder Misstrauen. Die Handelspartner der Produktionsfaktoren können sich gegenseitig in ihrem Vertrauen oder Misstrauen abschotten oder koalieren. Eine größer Menge von Veränderungen innerhalb der Handelsbeziehungen führt in Nationen zu politischen Meinungsumbildungen und politischen Aktionen, wie Ausweitung des Handels oder Einschränkung. Mittel dazu sind z.B. Zölle und Löhne. Die politische Ausrichtung der Nationen verändert sich daher aufgrund der Marktkräfte innerhalb der Produktionsfaktoren (Rogowski). Anhand der Konfliktlinie eines Produktionsfaktors kann dialektisch festgestellt werden, in welche sich dieser entwickeln wird. z.B. in einen politischen Liberalismus oder der körperbezogenheit gesellschaftlicher Freiheitsbestrebungen.
Körper
Im Produktionsfaktor Körper spielt die Versorgung und Verfügbarkeit der Körper einer Bevölkerung eine Rolle. Wird Handeln mit einem menschlichen Körper geübt, so wird dieser entmenschlicht, zur Arbeit gezwungen, getötet oder versklavt. Eine Veränderung der inneren Struktur führt zu Versklavung, Vertreibung oder Eroberungskriegen. Als weiterer Einfluss der inneren Änderungen führt dies zu gesetzlichen und moralischen Reglungen (z.B. Code Noir, Nürnberger Gesetze). Äussere Einflüsse führen zu Sklavenhandel und Transport. Und im weiteren zur Einhegung des Sklaventums über Bürger- und Menschenrechte. Innere, wie äussere Änderungen sind strukturelle Änderungen. Sie bedeuten nicht, dass der Produktionsfaktor Körper verschwindet. Dies ist in den Gesetzen zur Migration, Arbeitslosigkeit oder Reproduktion jederzeit nachvollziehbar. Der Produktionsfaktor Körper ist derjenige Produktionsfaktor, der am wenigsten wegdiskutiert (Adébísí, Foucault) werden kann, weil er jederzeit auf die Einzelperson zurückfällt und sich diese die Frage stellen kann: Inwieweit schränkt das meine Gesundheit oder mein Überleben ein. Die Konfliktlinie in der Kapitalisierung der Körper ist: Wem gehört mein Körper?
Boden
Im Produktionsfaktor Boden spielt der Ertrag oder die Verwahrlosung einer Landschaft durch Besitz eine Rolle. Innere Strukturveränderungen führen zu Feudalismus und Lehnsrecht. Im weiteren Verlauf der Kapitalisierung zu einem Rohstoff und Immobilienmarkt, sowie zum Freihandel. Äussere globale Veränderungen zum Transport und Handel mit Rohstoffen und Ressourcen, sowie im weiteren zum Kolonialismus, der Inbesitznahme von Land. Die Konfliktlinie des Produktionsfaktors Boden liegt in der Okkupation, dem nationalen Merkantilismus oder Protektionismus, sowie dem Freihandel von Produktionsressourcen.
Arbeit
Im Produktionsfaktor Arbeit spielt der Gegensatz von Lohn und Arbeit eine Rolle und bestimmt den Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung. Innere Änderungen führen zu Pauperismus und Verelendung der Arbeiter, sowie im weiteren zu Sozialgesetzgebung und sozialistischen sozialen gesellschaftlichen Strömungen. Äussere globale Veränderungen führen zum Öffnen oder Schliessen des Arbeitsmarktes und im weiteren zu den politischen Strömungen des Populismus, globalen Sozialismus oder Demokratie. Die Konfliktlinie ist der Klassenkampf.
Kapital
Im Produktionsfaktor Kapital spielt der Gegensatz von Gewinn und Verlust eine Rolle und bestimmt den Reichtum oder Armut der Beteiligten. Innere Strukturänderungen in der Kapitalisierung von Geld führen zu Inflation oder Deflation und im weiteren zum Kapitalmarkt und dessen informellen oder gesetzlichen Regelungen. Äussere globale Veränderungen führen zum Aktienmarkt und im weiteren zu dessen globalen Einschränkungen und Werten, z.B. durch WTO, GATT, TRIPS. Im weiteren entstehen durch die globalen Veränderungen nationaler Liberalismus oder Protektionismus, der durch die Auswirkungen weltweit zu ähnlichen Einflüssen führt. Die Konfliktlinie des Kapitals ist der Freiheitsbegriff.
Wissen
Im Produktionsfaktor Wissen spielt der Gegensatz von geistigem Eigentum, Lizenz, Urheberschutz, Patente und schwacher Bildung eine Rolle und führt zur Selbstständigkeit des Individuums. Innere Strukturänderungen führen zum Besitz von Wissen und im weiteren zu Fake News, abhängigen Medien, zu Informationseinschränkung oder kommunikativer Abschottung. Äussere globale Veränderungen wirken auf die Meinungen zu den anderen Produktionsfaktoren, zur Ausweitung von Populismus, negative Auswirkungen des Kapitalintensivierung und Okkupation. Oder, je nach Angebot und Nachfrage zur Wissenschaftsfreiheit. Die Konfliktlinie ist der Kampf um die Wahrheit.
Die politischen Auswirkungen bei Veränderungen der Kapitalisierung von Produktionsfaktoren sehen zusammengefasst folgendermassen aus. Die Mitglieder des Handels der Produktionsfaktoren können sich zusammenschliessen, falls die Interessen ähnlich sind. Daher ergeben sich noch viele weitere politische Auswirkungen als die aufgezählten. Es kommt zu Koalitionen oder Abgrenzungen der Gruppen.
Körper → Bürgerrechte, Sklavengesellschaft
Boden → Globalismus, Kolonialismus
Arbeit → Sozialismus, Populismus
Kapital → Liberalismus, Protektionismus
Wissen → Informationsfreiheit, Wissensokkupation
Die heutige politische Situation stellt sich so dar.
Die Körperrechte sind aufgrund der Globalisierung, Informationsgesellschaft und Demokratisierung in den Bürgerrechten weit fortgeschritten und vielschichtig. Sklaverei ist trotzdem noch an der Tagesordnung. Der Boden produziert weltweit Waren und handelt damit. Rohstoffe sind eingeschränkt verfügbar. Die Produktionskosten sind in den Schwellenländern sehr viel niedriger und damit auch die Erlöse. Die klimatischen Veränderungen in Zukunft werden die Möglichkeiten der einzelnen Ländern einschränken oder verbessern. Die Arbeiterschaft in den Industrieländern hat sich aufgeteilt in gut verdienende Angestellte und einfache Arbeiter und Angestellte in prekären Verhältnissen. In den Schwellenländern haben Arbeiter die Möglichkeit ihr Leben und das ihrer Kindern in Zukunft zu verbessern. Der weltweite Handeln mit Kapital ermöglich die Globalisierung der Produktion und die Verteilung des Kapitalhandels und deren Einkünfte bleiben eher in den Industrieländern. Der Aktienhandel führt zur starken Ausweitung der Kapitalmenge und des Kapitalhandels. Rohstoffreiche Ländern können große Kapitalsummen anreichern und damit an Macht gewinnen. Die Informationsgesellschaft befindet sich im Übergang zur Informationsgewinngesellschaft. Die Vergabe von Lizenzen und Urheberschutz führt zu starken Herrschaftsdiskursen im Rechtssystem, wie im Politischen. Eingeschränkte Informationsweitergabe, intransparente Informationspools und soziale Probleme der Informationsbewertung führen zur Kapitalisierung der Medien, Bildungssystemen und der Produktion von Wissen. Fake News oder AI Artefakte sind ein Seiteneffekte der Wissensstrukturgesellschaft.
Der Zusammenbruch der kommunistischen Lager als Gegenentwurf zum Kapitalismus, das Aufkommen der Schwellenländer, die sozialen Probleme der Auswirkungen des Neoliberalismus, die finanziellen globalen Auswirkungen der Coronakrise, das Aufkommen der Klimakrise und die Auswirkungen der Kapitalisierung der Wissensgesellschaft führen zu einer mehrfachen Vertrauenskrise der mit dem Handel der Produktionsfaktoren beschäftigten Menschen. Die Auswirkungen sind weltweit und je nach den Produktionsfaktoren in den Nationen etwas unterschiedlich, gleichen sich aber global an. Eingeschränktes Vertrauen in die Produktionsfaktoren führt zu Protektionismus, Populismus, Einschränkung der Bürgerrechte, Faschismus und Wissensokkupation. In vielen Ländern sind die Feinde ausgemacht. Queer, Woke, Linksfaschismus und Migration, beziehen sich auf die Freiheit der Körper, der Wissensfreiheit und der Flexibilität des Arbeitsmarkes. Dem globalen Handel mit Produkten wird versucht mit Einfuhrzöllen entgegenzutreten.
Zusammengefasst kommt es aufgrund des Vertrauenseinbruchs von Einzelnen in ihren Handlungsmöglichkeiten zur Implosion einzelner Säulen des Kapitalismus und zu einer Krise der Demokratie.
Die Wissenschaft wird sich in die gleiche Richtung bewegen, weil ihre Mitglieder auch Handelnde der Produktionsfaktoren sind. Momentan steckt sie selbst in einer Krise, weil die Wissenschaft nicht vorausgesehen hat, was kommt und ihre Abhängigkeit von den politischen Auswirkungen überall spürbar sind. Universitäten sind Wissensproduktionsindustrien und Bildungsinstitute. Wissenschaftler sind Angestellte oder Arbeiter in der Wissensproduktion. Wissenschaftler besitzen Rechte, Patente oder Lizenzen an ihren Arbeiten oder sind einer Lizenzierungsindustrie untergeordnet. Wissenschaftler entscheiden aus moralischen oder ethischen Gründen, ob sie ihr Wissen weitergeben wollen oder verändern. Wissenschaftler besitzen einen Körper und sind der männlichen oder weiblichen Rollenverteilung untergeworfen. Wissenschaftler werden zur Arbeit gezwungen oder erlangen großen Reichtum mit ihren Ergebnissen. Wissenschaftler gründen Forschungsinstitute zur Produktion von Wissen. Wissenschaftliche Urteile entstehen so innerhalb der gesellschaftlichen Strömungen. Globalisierung und das Aufkommen der Wissensstrukturgesellschaft verändern die wissenschaftlichen Regeln und deren Ethik enorm.
Hier erscheint es richtig die Frage nach der Rationalität der wissenschaftlich Handelnden zu stellen. Warum tun Menschen unlogische Dinge oder glauben an völlig unmöglich erscheinende Informationen? Jeder Mensch lernt im Laufe seines Lebens Vertrauen in seine Umgebung und seine Fähigkeiten zu setzen. Verändert sich diese Umgebung stark, so traut der Mensch mit seinem Gefühl diesen Dingen, die ihm am meisten wahrscheinlich erscheinen. Je größer die äusseren Veränderungen sind, umso mehr vertraut der Mensch seinen Gefühlen und alten Verhaltensweisen und umso mehr kann sein Verhalten von aussen unlogisch erscheinen. Aber für die innere Stabilität der Persönlichkeit dieses Menschen und in seinem sozialen Zusammenhang ist es trotzdem die richtige strategische Entscheidung. Sie muss nicht begründet sein und auch nicht effektiv ersccheinen.
Das bedeutet, in Krisensituationen können auch Wissenschaftler sich für unglaubwürdige Dinge strategisch entscheiden. Nur die innere soziale Struktur der Wissenschaftsgesellschaft hält die Regeln der Rationalität aufrecht. Je weiter sich ein Wissenschaftler von seiner Fachrichtung entfernt, umso stärker entfernt er sich von der wissenschaftlichen Rationalität. Und um so mehr wird der Wissenschaftler seine Entscheidungen nach seinem sozialen Raum richten. Um die Wissenschaft in der Wissensstrukturgesellschaft handlungsfähig zu halten, müssen innerhalb der Wissenschaft neue Regeln der Rationalität und der Ethik des Handelns mit Wissen aufgebaut werden. Diese werden auch von den anderen Produktionsfaktoren ausserhalb des Wissens abhängig sein.
2. Was ist Wissenschaft und was sind ihre Bedingungen?
Eingebettet in den Kapitalismus gibt es 4 verschiedene Betrachtungsweisen der Wissenschaft. Evolution (Kuhn, Lakatos), Logik (Popper, Whitehead), Organisation (Luhmann, Habermas) und Ontologie (Lyotard, Foucault, Adébísí). Natürlich kann ich auch die Technik betrachten. Aber dann betrachte ich nur technische Objekte (Yuk Hui, Simondon) und deren Entwicklung.
Möchte ich die Zukunft der Wissenschaft als Ganzes betrachten, reicht es nicht die Evolution und innere Logik wissenschaftlicher Programme unter dem Gesichtspunkt des Falsifikationismus, Positivismus oder Relativismus zu betrachten. Dies reicht aus, um wissenschaftlich die Innovationsmöglichkeiten wissenschaftlicher Regeln zu betrachten und zu professionalisieren. Ist aber letztendlich eine programmatische Zusammenfassung des in der Wissenschaft entstandenen ontologischen Begründungszusammenhangs. Punkte wie Rationalität und Urteil, Wissenschaftsfreiheit oder die Ethik des Wissenschaftlers bleiben aussen vor. Die Begründung durch Rationalität ist ein Regelmechanismus der Wissenschaft, der es erlaubt wissenschaftliche Regeln zu lehren und zu professionalisieren. Dabei wird aber nur ein Teil der wissenschaftlichen Produktion begründet. Der Wissenschaftler bleibt in jedem Fall innerhalb des kapitalistischen Szenarios ein Handelnder in Technik, Arbeit und Politik. Die Arbeit des Wissenschaftlers kann nur erledigt werden, wenn die Begründungszusammenhänge stark auf wissenschaftliche Regeln verengt werden.
Rationalität ist eine soziale Technik der Arbeitsteilung und Rollenzuordnung.
Der Wissenschaftler steht nicht alleine. Er ist in Organisationen eingebunden. Systeme subjektivieren Individuen und Subjekte objektivieren in ihrem sozialen Raum gemeinsam Ontologien. Der Wissenschaftsbereich ist ein Bereich, der die Objektivierung anderer Bereiche professionalisiert hat. Wissenschaft ist eine soziale Technik, eine Objektivierungsmaschine. Die Wissenschaft ist Vorreiter bei der Wissensstrukturgesellschaft und damit strukturbildend für Demokratie und Kapitalismus. Paradigmenwechsel der Wissenschaft sind Gestaltwechsel der grundlegenden Ansichten eines wissenschaftlichen Bereiches in Herrschaftsdiskursen mit Auswirkungen auf Handel, Gesellschaft und Politik. Wissenschaft ist nicht nur reine technische Evolution, sondern auch soziale Evolution. Technik ist eine Ausstülpung der handelnden Gesellschaft.
Objektivierungen haben einen Beginn, einen Verlauf und einen Abschluss in der Kommunikation. Dabei werden sie von den Motivatoren der Sprache und dem Begründen (Reasoning, Antony S. Laden) als schliessende Kommunikation unterstützt. In der Wissenschaft entstehen Publikationen, Lehrbücher, Streitschriften und es werden alte Lehrmeinungen vernichtet. Die Herrschafts- und Erkenntnisdiskurse in der Wissenschaft sind Ausdruck des Systems der Wissenschaft in den Konfliktlinie Tradition vs. Innovation und Professionalisierung vs. Lehre. Der Wissenschaftler handelt und objektiviert in seinem sozialen Raum, das aus den daraus beteiligten sozialen Systemen besteht. Paradigmenwechsel erfordern in der Kommunikation des sozialen Raumes in der Objektivierung eine erzählende Vorgeschichte und den Druck fehlender Ressourcen aufgrund von Reputation und Anerkennung. In den Paradigmenwechsel in der Wissensstrukturgesellschaft greift die kommunikative Bewertung der Information als Ressource als Element der Kapitalismus ein und verändert die Wissenschaft in ihren logischen Regeln. Die Evolution der Wissenschaft kann daher soweit gehen, dass sie sogar ihre eigenen Erkenntnisse der Wissenschaft verleugnet. Dies geschieht aber immer im engen Rahmen der Rationalität und der Objektivierung von Ontologien, so dass der Wert für die handelnde Organisation, in dem das geschieht, erhalten bleibt. Es wird nur ein Teil der Rationalität verleugnet. Ein andere Teil bleibt unausgesprochen, bestimmt aber trotzdem die Handlungen der Individuen. Was innerhalb von Organisationen und Systemen unlogisch erscheint, bedeutet nicht, dass eine innere Logik fehlt. Nur das sie innerhalb der Rationalität der Wissenschaft nicht ausgesprochen wird. Der Pfad zwischen Pseudo- und Realwissenschaft ist sehr schmal. Technische Objekte müssen sozial funktionieren, sonst sind sie kaputt.
Der Aufbau einer Ontologie bedeutet in der Wissenschaft einen größeren sozialen Erkenntnisgewinn. Objektivierung, Strukturierung, Evolution, Wachstum und Erkenntnisgewinn sind getrennte Prozesse innerhalb der sozialen Gemeinschaft der Wissenschaftler. Das sozial schließende der Wissenschaft sind die Veränderung der Verhältnisse der Objekte und Bezeichnungen als gemeinsamer wissenschaftlicher Entschluss. Die Intuition des sozialen Raumes wird über Diskurse im kommunikativen Raum geführt und durch begründende Sprache entschieden. Die Wahrnehmung durch Erfahrungen und Intuition ist ein sozialer Schluss. Die Benutzung von Werkzeugen beruht auf Erfahrung und Intuition und ist ein sozialer Schluss. Es gibt keinen neutrale Algorithmus weil Motivatoren die wissenschaftlichen Regeln durchziehen. Erkenntnistheorien haben daher ihre eigenen Motivatoren. Innerhalb einer Objektivierungsgruppe eines sozialen Raumes gibt es verschiedene Rollen z.B. Verteidiger, Vergleicher, Harmonisierer, Übersetzer, Innovator, Revolutionäre, Zusammenfasserer (Lakatos). Sie alle führen zum sozialen Schluss einer neuen Erkenntnis. Im Entscheidungsbaum der Rationalität einer Wissenschaft ist der Paradigmenwechsel eine neuer Ast im Baum. Die Entscheidung eines Forschers z.B. durch methodologischer Falsifikationismus ist nicht die Entscheidung eines Forschers über ein Experiment, sondern der Diskurs des sozialen Raums einer Wissenschaft und die Macht, die darin die Kommunikation ausübt (Foucault). Die Wissenschaft entscheidet nicht, sondern das System der Wissenschaftler erkennt das rationale Gleichgewicht eines sozialen Raumes. Der Wissenschaftler, der genau dies nachvollziehen und begründen kann, ist der Held einer Forschung.
Die Erkenntnis, Erfahrung, Wahrnehmung und Widerlegung in der Wissenschaft differenziert sich in ihrer eigenen Geschichte als Rückblende aus. Es ist eine eigene Art der Objektivierung. In der Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte spielen moralische Gesichtspunkte eine große Rolle, weil der Herrschaftsdiskurs von aussen betrachtet romantisch, evolutionär, hierarchisch und rollenbezogen erscheint. Wissenschaftstheorien gründen auf Geschichtserzählungen von aussen. Nicht auf dem Ereignis der Objektivierung. Der Verweis auf Wahrheit und Erkenntnis ist ein Prozess der Objektivierung. Die Spielregeln der Wissenschaft in der Theorie der Rationalität oder im Wahrheitsbegriff sind in jeder Wissenschaft als Sprache vorhanden, weil die wissenschaftliche Objektivierung, das soziale Schließen zur Erkenntnis, eine Eigenschaft der Sprache ist. Das Objektivieren ist eine soziale Eigenschaft, in dem der Einzelne sich in seiner Subjektivierung und Rolle erfährt und zur Erkenntnis als Erfahrung eines einzelnen Wissenschaftlers kommt. Forschen ist eine Eigenschaft sozialer Systeme mit dem Ziel Rationalität und Wahrheit in Objektivierungen und Ontologien, in Auseinandersetzung mit dem Aussen der „Realität“, durch Wahrnehmung und Erfahrung zu begründen.
Der Fehler evolutionärer und positivistischer Wissenschafts- und Erkenntnistheorien ist, dass Erkenntnis über Personen an Wahrnehmung, Erfahrung und das Aufstellen von Regeln gebunden wird. Während Wissenschaft, als Spezialsystem kommunikativ an soziale Systeme gebunden ist und die Erkenntnistheorie die interne Herrschaftsdiskussion widerspiegelt. Es geht um die Begründung von Forschung und Realität als soziale Objektivierung, Strukturbildung und -festigung. Das Problem der Wissenschaft ist, dass ständig versucht wird Wahrnehmungen in allgemeingültige Regeln zu integrieren, dass dadurch aber neue Beschreibungsregeln und soziale Geschichten entstehen, deren Integration in die althergebrachten Regeln begründet werden muss. Es entstehen so Wissenschaftstheorien, als Begründungszusammenhang neuer differenzierter Wahrnehmungen ohne Anschluss an die Objektivierung in Ontologien. Was die Dynamik der Erfindung belegt.
Die Frage, die nun zu beantworten werden kann ist: Wie führen Objektivierungen zu sich selbst in Systemen stabilisierenden Strukturen?
Objektivierungen führen zu Ontologien, der Welt der Sprache und Kommunikation. Eine Ontologie ist die Sprache des Systems im sozialen Raum. Die Ontologie bestimmt die Logik und Weltsicht eines Systems. Das Transportsystem für Entscheidungen ist Macht und deren Abgleich im System geschieht über Herrschaftsdiskurse. Zur moralischen Ontologie gehört die Auslegung was Menschlichkeit, mit dem Ausschluss / Einschluss von Körper, Leben oder Rechten, genauso wie die moralische Rhetorik dessen, was moralisch richtig in der gesellschaftlichen Struktur wäre, wenn die Einschlusskriterien für alle gelten würden.
Der Zusammenhang zwischen Machtstrukturen, juristischen Entscheidungen und Wissensbildungsvorschriften wurde von Foucault betont. Die Rechtsprechung spricht aus, was die Struktur der aktiven Herrschaftsdiskurse in ihren moralischen Ontologien festgelegt haben. Die Aufgabe der Gesetzgebung ist die Trennung von Richtig und Falsch, sowie die Unterdrückung des „nicht ganz richtigen“. Die Gesetzgebung ist ein Machtinstrument und beeinflusst stark das Denken und Handeln der Menschen. Sie bewertet soziale Räume, wertet sie auf oder wertet sie ab, hierarchisiert sie und führt sie in Machtsysteme ein. Die Gesetzgebung bildet Menschenbilder aus und überführt sie von einem sozialen System in andere. Die juristische Ontologie ist somit ein sozial- ethisches Transportsystem. Sie hat eine vertikale Transport- wie horizontale Integrationsfunktion. In den Gesetzen eines Landes werden die gültigen Menschenbilder abgebildet. Die Gesetzgebung ist Abbild der gesellschaftlichen Ethik. Der politische Druck auf die Menschenrechte geschieht nicht offen, sondern in verdeckten Teilen, da die gesellschaftliche Moral noch nicht überwunden ist.
Hier ist die Schnittstelle mit der Wissenschaft und ihren Ontologien. Die Rechtssprechung drückt das aus, was die Veränderungen der schwachen Vertrauenskontrakte der Menschen im Handel im Rahmen ihrer Produktionsfaktoren in politische Strömungen gebracht hat. Die Regulation von Menschenrechten in Demokratien folgt wirtschaftlichen Strömen. Die Objektivierungen, die in Ontologien einströmen, werden in gesellschaftlichen und juristischen Regeln stabilisiert und verallgemeinert. Die Rationalität der Wissenschaft handelt in dem gesellschaftlichen und juristischen Sprachraum. Die Freiheit der Wissenschaft bedeutet nur, dass sie sich in ihrer abgeschotteter Rationalität und in ihren Regeln von den gesellschaftlichen Ontologien zurückziehen darf. Aber nicht, dass die einzelnen handelnden Individuen von den gesellschaftlichen Ontologien ausgeschlossen sind. Eine mathematische Formel bewegt sich in ihrer eigenen Ontologie. Der Mathematiker, der damit rechnet und etwas entwirft ist weiterhin Mitglied der Gesellschaft und ihren Regeln. System, Lebenswelt und sozialer Raum, sowie die Rationalität des sozialen Raums sind getrennte Systeme.
Der Produktionsfaktor Körper führt in seinen Auswirkungen des Vertrauensverlustes im Handel zu gesellschaftlichen Ontologien. Menschlichkeit kann in der Gesetzgebung gefunden werden als Umgang mit der körperlichen Unversehrtheit. Körperlichkeit ist das, was der einzelne erlebt und was nicht wegdiskutiert werden kann. Die körperliche Kennzeichnung von Menschlichkeit in Ontologien ermöglicht eine normative Legitimation von Macht und Hierarchien, die die soziale Struktur der Gesellschaft lesen und ordnen kann. Das Konzept einer humanen Ontologie bedeutet die Zuordnungen von Körperlichkeit z.B. über Rasse, Farbe, Klasse und Geschlecht als soziale Struktur in ihrer Unabhängigkeit von der persönlichen Struktur des Menschen sichtbar zu machen. Welches Konzept von Körperlichkeit die Wissenschaft entwickelt, hängt nicht von der Rationalität der wissenschaftlichen Regeln ab, sondern vom Eingang des Vertrauensverlustes in den Handel mit den Körpern in die gesellschaftliche Realität. Ein Sexualwissenschaftler wird sich im Urteilen in seiner Rationalität auch an seinem eigenen Erleben von Partnerschaft orientieren. Wissenschaft ist keine losgelöste Welt. Dies gilt in der Stabilisierung von Ontologien in Systemen natürlich auch für die anderen Produktionsfaktoren, in der Produktion von Werten, Normen und gesellschaftlichen Regeln.
Letztendlich führt eine statistische Funktion eines individuellen Vertrauens im Handel im sozialen Raum gültigen Werte und dessen Handlungsmotivationen ein. Als Mehrheitsentscheidung.
Hierarchien ergeben sich aus der ressourcenbezogenen Wertung persönlicher, sozialer Symbole wie Körperlichkeit, Zugehörigkeit, Charakter, Rolle, Klasse, Boden, Arbeit, Geld und Wissen. Die Struktur der Hierarchie ergibt sich aus Wertungen der Sprache und ihrer sozialen Übertragung in Handlungsprämissen. Da sozialen Zugehörigkeiten mit äußeren Merkmalen bezeichnet sind, werden diese Merkmale auch zu Symbolen der Macht. Als Beispiel nenne ich hier die Wahrnehmung von Kraft, Attraktivität und Sexualität und deren Auswirkung in Musik, Kunst, Sport und Kampf, oder Wissenschaft. Das Soziale überzieht die Symbole in ihren Ontologien mit Strukturen von Raum und Zeit. Kraft bedeutet Durchsetzungsfähigkeit. Attraktivität bedeutete Aufstiegschancen. Sexuelle Attraktivität und Rolle führt zu Schwäche. Neutralität und Langsamkeit wird zu Wissenschaftlichkeit. Hautfarbe und Herkunft zum Untermenschen.
Raum und Zeit sind Objektivierungen und fundamentale soziale Landmarken. Objektivierungen führen zu sozial aufgeladenen Begriffen mit vielen unterschiedlichen Bedeutungen und Einordnungen in Hierarchien. Soziale Begriffe in einem sozialen Raum sind soziale Netzwerke von mit der äusseren Wahrnehmung verbundenen Bedeutungen. Ausgesprochen durch Sprache und verbunden über die Sprach- und Merkfähigkeit der Individuen. Aufgeladen mit Wertungen, Motivatoren, Rollen und Hierarchieeinstufungen entsteht das verbundene soziale Bewusstsein. Soziale Antibewegungen aufgrund von Vertrauensverlusten im Handeln gegen die Umwälzungen der kapitalistischen Freisetzung von Körper, Boden, Arbeit, Kapital und Wissen sind: Aufstände, Bodenreformen, Sozialreformen, Wirtschaftsregeln und Bildungseinschränkungen. Das soziale, persönliche Bewusstsein wird im Netzwerk des sozialen Raumes gebraucht, um soziale, freie Entscheidungen zu treffen. Meme überleben deswegen so lange im ontologischen Raum, weil die Regeln in Sprache, Ethik, Gesetzgebung usw. gegossen sind und deren Sinn zur Stabilisierung der Systeme lange erhalten bleibt. Die Subjektivierung eines sozialen Raums konzentriert sich letztendlich auf die Stimme des beteiligten Subjekts, dessen Körper und Leben. Akkumulation bedeutet, dass das Subjekt im Netzwerk des sozialen Raumes Ressourcen zum Stabilisierung ansammelt.
Die Erzeugung von Ungleichheit der Ressourcen aus Erzeugung der Hierarchien in der Subjektivierung ist ein wirtschaftlicher Mechanismus und Teil des Kapitalismus.
Wirtschaftliche Mechanismen, als Teil des Kapitalismus wirken daher im Netzwerk der Objektivierung und Erzeugung von Begriffen und Memen mit. Der direkte Sinn der sozialen Strukturänderungen Boden, Arbeit, Kapital und Wissen ist die Hierarchie der Ressourcen auf Körper. Alles im Kapitalismus bezieht sich auf Menschen. Der Kapitalismus als große, strukturelle, soziale Steuerung der Ressourcenversorgung steuert daher über die Versorgung von Körpern. Die Konsolidierung und Stabilisierung sozialer Hierarchien erfolgt über die Objektivierung von Strukturen in Sprache und deren Legitimation in sanktionierten, lernbaren Verhaltensabläufen der Subjekte im sozialen Raum. Rhetorik ist die Umstrukturierung von Hierarchien durch Reasoning als sozialer, sprachlicher Prozess. Objektivierung sorgt z.B. für strukturellen Rassismus, der wiederum individuellen Rassismus übergeht. Die Souveränität des Staates bezieht sich letztendlich auf gleichartige Ontologien im Raum einer homogenen Sprache, die zur Nationalität geführt hat.
Die durch die Übergänge der Kapitalisierung in den Produktionsfaktoren erfolgten Ressourcenumschichtungen führen zu Ressourcenengpässen und gesellschaftlich relevanten hierarchischen Neuorientierungen auf Ressourcen, z.B. Hunger, Faschismus, Protektionismus, Einschränkung der Bildung, Kolonialismus. Methoden der Kapitalisierung sind Herrschaft über Körper, Maßung des Bodens, Arbeitszeitberechnung, Verschuldung von Geld, Einschränkung des Erwerbs und Vergabe von Wissen in Bildung. Rechts und Links sind kapitalistische Strukturen in der Sichtweise auf die Verwendung von Ressourcen und deren Grundkapitalisierung.
Zusammenfassend ist Wissenschaft ein System der sozialen Technik zur eng regelgeleiteten Objektivierung. Eine Objektivierungsmaschine zur Stabilisierung der gesellschaftlichen Systeme in dem der einzelne Wissenschaftler in seinem sozialen Raum agiert. Die Funktionen der Objektivierung, wie Reasoning, Ereignis der Form in Wahrnehmung und Erkenntnis, sowie Herrschaftsdiskurse in schwachen Vertrauenskontrakten, gelten auch in der Wissenschaft und sorgen dafür, dass der Wissenschaftler den gesellschaftlichen Strömungen innerhalb des Kapitalismus folgt. Wissenschaft ist immer eingebettet in die Gesellschaft.
3. Welche ethische Fragestellung ergibt sich aus der Frage nach der Zukunft der Wissenschaft?
Aus dem oben Genannten ergeben sich als die stärksten Einflüsse auf die Zukunft der Wissenschaft die Dynamik der Globalisierung und der Veränderungen Wissensstrukturgesellschaft.
Die weltweite Austarierung der Produktionsfaktoren führt zu starken Änderungen nationaler Politik und in der Wissensstrukturgesellschaft erfolgt eine Kapitalisierung der wissenschaftlichen Produktion. Die Verwandlung der Wissensstruktur im sozialen Raum zur Wissensstrukturgesellschaft geschieht beim Einzelnen in der Hinwendung zur globalen Transparenz der eigenen Meinung in der Raumvernunft, der sozialen Informationsblase. Sozial geschieht die Verwandlung in der Kapitalisierung der Wirklichkeit des sozialen Raumes. So dass sich auch wissenschaftliche Erkenntnisse der Kapitalisierung und den Einschränkungen im Vertrauensverlust des Handelns wie Entmenschlichung, Abgrenzung, Okkupation unterordnen können. Meme verbreiten sich über Verschiebungen der Ontologien und führen zu Wahrnehmungsänderungen in Raum, Zeit und Motivation. Die Globalisierung und deren Effekte auf Produktionsfaktoren führt zu der moralischen Defragmentierung und Krise der Demokratie und in Folge der Deregularisierung des Kapitals zu Einschränkungen in der Kapitalisierung. Nationale Entscheidung durch die Globalisierung der Entscheidungsträger und der demokratischer Wille als zentrale strukturelle Willensbildung laufen im Populismus auseinander. Strukturelle Änderungen der Demokratie werden dem folgen. Die Ansicht der Wissenschaft wird sich in Zukunft stark ändern.
Die Sicherung der Warenversorgung als zentrale Funktion im Wachsen des Kapitalismus geschah im Frühkapitalismus durch Nationen. Im Spätkapitalismus übernahmen diese Rolle die Organisationen in Differenzierung und institutionelle Auslese. Gerade diese globale Differenzierung ist das Problem der Demokratien, weil sie das Vertrauen der Handelnden unterminiert. Die Ausdifferenzierung innerhalb der Demokratien zeigt sich in dem Größenzuwachs der Produktion und des Verbrauchs. Staatlicher und kapitalistischer Sektor in Organisationen sind nicht klar differenzierbar. Ihre Hierarchien sind von den nationalen gesellschaftlichen Systemen getrennt. Individualgüter werden individuell gehandelt und Kollektivgüter werden unter starkem organisatorischem Reglement gehandelt. Das Kollektivgut der Nation, das effektive Bereitstellen von Kollektivgütern wird als Legitimation gemeinsamer staatlichen Organisationen verstanden, die nur demokratisch souverän legitimiert werden dürfen. Demokratie ist die nationale Folge der Ausdifferenzierung der Legitimation der Bereitstellung von Kollektivgütern aufgrund des Größenzuwachses bei Gütern. Werden diese Kollektivgüter, wie Bildung, Transport, staatliche Regelung und Verwaltung, sowie juristische Entscheidungen global gehandelt, führt das zum Vertrauensverlust des einzelnen Handelnden in die nationale demokratische Willensbildung. So werden übernationale Organisationen wie WHO, UNO und NGO’s von populistischen Regierungen stark angegriffen. Die Wissenschaftsfreiheit steht im Zusammenspiel von Demokratie und Kapitalismus. Das neoliberale Gedankengut, das der Einzelne nur für sich, seinen Lebensweg und seine Leistung verantwortlich ist, basiert auf der Vertrauensvermittlung im Handel (Bourdieu).
Koalitionen zwischen den Produktionsfaktoren haben aufgrund der entstandenen sozialen Handelsbeziehungen über sozialen Ressourcen eine hohe Stabilität und Dauer. Das Globales Wachstum der Produktionsfaktoren basiert auf globaler Differenzierung, erhöht die Lebenserwartung des Einzelnen und Verringert das Vertrauen in nationale Strukturen. Strukturelles Wachstum in den einzelnen nationalen Produktionsfaktoren erzeugt Unterschiede und damit Einschränkungen der Lebenserwartung für Teile der Bevölkerung.
Ausschlaggebend für den Lebensstandart in einem Land ist nicht die Produktivitätskraft, sondern das Verhältnis der Produktionsfaktoren in dem Land und deren Verhältnis zur Globalisierung. Die demokratische Willensbildung einer Nation entsteht aufgrund der Koalition der Produktionsfaktoren im Interesse von Individualismus, Schutz der Menschen, Einschränkung des Produktionswachstums und der Kapitalisierung von Kapital und Wissen. Sozialismus führt dagegen zur Monopolisierung wirtschaftlicher Ströme,verändert aber nicht die Produktionsfaktoren und deren Einfluss. Koalitionen und Oppositionen entstehen aufgrund der unterschiedlichen Gewinnerwartungen in Summe nach einer Veränderung der Transportstruktur in den Produktionsfaktoren. Die Koalitionen wählen die wirtschaftlichen Ziele und wägen die Nachteile von Wachstum oder Einschränkung ab. Die Politik bedient sich in Veränderungssituationen bewährter Mittel. Es werden keine neuen Wege gesucht und dramatische Änderungen im Handel und Transport können nur nationale Veränderungen in der Politik bewirken. Handeln ist global. Politik national geprägt.
Im ersten Abschnitt habe ich dargelegt, welche gesellschaftlichen Faktoren die Wissenschaft beeinflußen und wie sie darin eingebettet ist.
Im Kapitalismus, im Vertrauenskontrakt des Handelns, führen Veränderungen der Produktionsfaktoren Körper, Boden, Arbeit, Kapital und Wissen zu Veränderungen gesellschaftlicher Strömungen. Die nationale Politik ändert sich. Die Wissenschaft ist, als Teil der Technik, darin eingebettet. Alle 5 Produktionsfaktoren wirken auf die Wissenschaft.
Im zweiten Teil hab ich versucht zu beschreiben, wie soziale Struktur entsteht und wie die Wissenschaft daran beteiligt ist.
Organisationen subjektivieren und erschaffen Rollen. Individuen objektivieren und erschaffen Ontologien und durch Elemente der Sprache soziale Strukturen und Systeme. Die Wissenschaft als Objektivierungsmaschine dient den Organisationen als Differenzierungs- und Stabilisierungsinstrument.
In der modernen Welt verändert sich die Wissenschaft durch Einflüsse der Globalisierung und in Zuge der Konsolidierung der Wissensstrukturgesellschaft. Politische Einflüsse des Protektionismus, der Dehumanisierung und Faschismus sickern in die Wissenschaft ein. Die Kapitalisierung des Wissensmarktes ändert drastisch die gesellschaftlichen Funktionen den Bildungs-, Forschungs- und Entwicklungssektors. Der Freiheitsbegriff der Wissenschaft ändert sich von „Freiheit von“ zu „Freiheit zu“. Der Mensch in seinem sozialen Raum wird zu einem Besitz, der ohne moralische Bedenken erforscht werden kann. Wenn einen menschliche DNA patentiert werden kann, so spricht nichts dagegen, dass auch Gedanken oder Handlungen patentiert werden können und vom menschlichen Besitzer zu einer Organisation wandern. Die Zukunft der Wissenschaft liegt in der Besitznahme von Gedanken. Auch diese Art der Kapitalisierung ist eine soziale Struktur, die in der Gesellschaft aufgefangen und stabilisiert werden kann. Sie wird aber die gesamte Gesellschaft verändern. So wie die Kapitalisierung des Bodens, der Arbeit oder des Kapitals die menschliche Gesellschaft lang andauernd und intensiv verändert haben.
Zwei Fragen sind noch zu klären. – Was ist mit der Ethik, was ist in der Wissenschaft ethisch vertretbar? Und was passiert mit der Rationalität wenn alles so unter sozialem Einfluß vorhersagbar erscheint?
Strukturänderungen der Produktionsfaktoren können ganze Bevölkerungsgruppen zerstören. Die Kapitalisierung von Boden führte zu Kriegen, die des Arbeiters zur Verringerung der Lebenserwartung am Beginn der Industrialisierung. Der Beginn des Erdrutsches der Aktienmärkte zu einem Weltkrieg. Die Wissenschaftler, die den Kolonialismus und Neokolonialismus, Coronakrise, die Klimaerwärmung, Geschlechterrollen, Faschismus und Populismus erforschen spüren den gesellschaftlichen Druck auf einfache vertrauenswürdige Optionen. Auch wenn diese falsch sind. Ist der Wissenschaftler wirklich der Wahrheit verpflichtet oder ist das nur ein Scheingefecht der wissenschaftlichen Rationalität. Welche Art von Verantwortung trägt der Wissenschaftler? Politisch, gesellschaftlich, juristisch oder gar ethisch? Die Zeit ist in einem Umbruch. Nicht nur in der Wissenschaft. Wir befinden uns im zweiten Zeitalter der Aufklärung und merken, wie wir uns belogen haben. Die Gesellschaft wird sich wieder stabilisieren, aber es wird Verlierer geben. Auch in der wissenschaftlichen Rationalität.
Schauen wir uns an, was passiert.
Das Vertrauen des Einzelnen in seine individuelle Handlungsfähigkeit bestimmt in seiner gesellschaftlichen Summe die soziale Veränderungen.
Das Vertrauen in die soziale Handlungsfähigkeit mit Körpern führt bei bei Ängsten zur Inbesitznahme von anderen Menschen. Bei hoffnungsvollen Vertrauen, zu einem klaren Bekenntnis zu Menschenrechten und Bürgertum.
Das Vertrauen in die soziale Handlungsfähigkeit mit lokaler Produktivität, Boden- und Immobilienbesitz führt bei Ängsten zur Inbesitznahme der Menschen, die diese lokale Produktivität erzeugen und zu Kolonialismus und Protektionismus. Bei hoffnungsvollem Vertrauen zu freiem globalen Rohstoff, Besitz und Immobilienhandel.
Das Vertrauen in die soziale Handlungsfähigkeit im Handel mit der Arbeitsfähigkeit anderer führt bei Ängsten zu Unterdrückung, Klassenkämpfen, Pauperismus, Populismus und Faschismus. Bei hoffnungsvollem Vertrauen zu sozialistischen Gedankengut, Sozialgesetzgebung und Wohlstand.
Das Vertrauen in die soziale Handlungsfähigkeit im Handeln mit Werten und Geld führt bei Ängsten zu Protektionismus, Wirtschaftskrisen, Inflation oder Deflation. Bei hoffnungsvollem Vertrauen zu Liberalismus und dem Bürgertum zugetanem Freiheitsbegriff.
Das Vertrauen in die soziale Handlungsfähigkeit im Handeln mit Wissen führt bei Ängsten zu einer kommunikativen Abschottung, einem Kampf um die Wahrheit und großen Einfluss auf die anderen Produktionsfaktoren. Bei hoffnungsvollem Vertrauen zu Transparenz, Informations- und Wissenschaftsfreiheit.
Ängste führen dazu, dass die Schwächeren in der Gesellschaft angegriffen werden und sicheres Vertrauen in Hierarchien und Erfolg gesucht wird. Krisen der Produktionsfaktoren führen zu gesellschaftlichen Krisen mit teilweise drastischen Auswirkungen. Demokratie oder Sozialismus sind zwei Seiten einer gesellschaftlichen Organisation, die versucht das Vertrauen in den Handel mit Produktionsfaktoren für den Einzelnen wieder herzustellen. Der Kommunismus ist daran gescheitert, dass er das nicht auf allen Ebenen konnte, sondern versucht hat die Produktionsfaktoren zu monopolisieren und damit ihnen die Freiheit für Änderungen genommen hat. Die Krise der Demokratien, die sich derzeit abzeichnet, liegt daran, dass diese mit großen Hoffnungen gestartet ist, die Hierarchisierung bei Krisen und die nationalen Einflussverluste der Globalisierung nicht in den Griff bekommen hat. Der Bürger vertraut der Demokratie, die den Reichen im Land und den Menschen im Ausland hilft, nicht mehr.
Menschen haben aufgrund ihrer individuellen Persönlichkeit eine Verantwortung andern Menschen gegenüber. Das nennt sich Nächstenliebe oder Menschlichkeit. Menschen sind im sozialen Raum eingebunden und wachsen in ihrem auf. Sie haben eine Verantwortung den Organisationen und der Gesellschaft gegenüber, in der sie aufgewachsen sind. Das nennt sich moralisch gesellschaftliche Verantwortung. Menschenrechte und Bürgerrechte schließen sich nicht aus, sondern verbinden sich in der gesellschaftlichen Ethik.
Dies alle gilt auch für Wissenschaftler. Intellektuelle und Wissenschafter haben die Verantwortung für die Stabilität der Gesellschaft zu sorgen. Ihre Aufgabe ist es neue Erkenntnisse zu verfolgen und zu entwickeln.
Rational ist daher für Stabilität zu sorgen, indem die Individualität von Menschen hervorgehoben wird, Besitz und Produktion so geregelt wird, dass die daran im Handeln Beteiligten sich sicher fühlen. Arbeits- und Sozialgesetze sind so zu führen, dass Klassenkämpfe vermieden werden. Der weltweite Handeln mit Werten und Geld ist so zu strukturieren, dass es genügend Anreize gibt mit Geld zu handeln, dies aber nicht zu einem Spiel mit dem Zufall werden darf. Der Handel mit Wissen ist klar an Organisationen und Individuen zu binden, mit individuellem Recht für Menschen und strukturellem Recht für Systeme.
Den beiden großen Herausforderungen der Wissenschaft, die Globalisierung und die Wissensstrukturgesellschaft können nur mit der Rationalität stabilisierender Erkenntnisse und Massnahmen entgegengetreten werden. Ansonsten wird die Wissenschaft ihren Anspruch als treibende Kraft der technischen Innovation verlieren und ihre gesellschaftliche Kraft in die falsche Richtung lenken. Die Zukunft der Wissenschaft hängt davon ab, inwieweit das Selbstverständnis der Wissenschaften ihre stabilisierende Kraft in der Gesellschaft versteht und danach handelt. Es geht nicht um die Neutralität der Wissenschaft, sondern darum, dass diese die Systeme in denen sie agiert nicht zerstört werden.
Um gegen Unterdrückung zu kämpfen braucht es Solidarität und genaue Kenntnis der Struktur der Unterdrückung. Um Vertrauen in Produktionsfaktoren zu schaffen braucht es ein gemeinsames Handeln, das die Konfliktlinie des Produktionsfaktors deeskaliert und festigt. Einen gemeinsamen Umgang damit motiviert und ritualisiert.
Ein Mediziner, der über Krankheiten forscht sollte sich nicht nur Gedanken machen, wie eine Krankheit behandelt werden kann, sondern auch was seine Forschungsergebnisse mit dem Körperempfinden der Patienten machen oder wie das Wissen über die Krankheit Menschen empfinden, die sich die medizinische Leistung nicht leisten können.
Ein Wirtschaftswissenschaftler, der aufgrund einer schlechten Arbeitsmarktsituation zu dem Ergebnis kommt, dass die Firmen mehr Menschen entlassen sollten, kann sich Gedanken über die Auswirkungen auf den Klassenkonflikt machen und wie er entspannt werden kann.
Ein Politikwissenschaftler sollte sich bewusst sein, das die Struktur der Demokratie auf vielen Ebenen deeskalierend wirkt und vielfältig in die Produktionsfaktoren herein spielt. Der Politikwissenschaftler hat eine besondere Verantwortung damit umzugehen.
Ein Medienwissenschaftler sollte sich bewusst sein, wie soziale Medien den Journalismus und die politische Willensbildung beeinflussen und das die Konfliktlinie in der Wissensstrukturgesellschaft bei dem Streit um den Wert der Wahrheit liegt. Wahrheit kann deeskaliert werden, indem Kompromisse eingegangen und Wahrheiten gleichberechtigt gegenübergestellt werden.
Die Aufgabe der Philosophie ist die Dialektik der Konfliktlinien der Produktionsfaktoren zu diskutieren und zu rationalisieren. Das Bewusstsein für Globalismus, Kapitalismus, Kolonialismus und Rassismus gehört mit dazu.
Momentan erscheint es mir am wichtigsten, die Deeskalation bei Körpern, Arbeit und Wahrheit zu erforschen um demokratische Prozesse zu stützen.
Fürth, den 14.6.2025


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