Was ist modern?
Die Philosophie hat sich nach der Aufklärung über soziale, materialistische, idealistische, ontologische Wege der Kritischen Theorie zugewendet, wo aufgrund materialistischer Sichtweisen die Aufklärung kritisch gesehen wird. Das Problem der Kritischen Theorie ist die Vorstellung einer allgemeingültigen Vernunft. Ihr Vorteil ist ihr aufklärerisches, kritisches Interesse.
Nach der Kritischen Theorie erfolgte in Kunst, Wirtschaft, Philosophie und Wissenschaft die Einsicht einer vielfältigen Vernunft in der Postmoderne. In Rückgriff auf die Kritische Theorie wurden Kunst, Sprache, Medien, Kommunikation, Politik, soziale Systeme usw. kritisch betrachtet. Problem der Postmoderne ist das Verwerfen der Vernunft aufgrund der Ausdifferenzierung der einzelnen Lebensweisen, gleichzeitig wird in den Analysen der Vernunftbegriff des vernünftigen Subjekts verwendet, der aus der Aufklärung stammt. Die dabei zutage tretende Zwiespältigkeit wird mit Ironie, Sarkasmus und Wortreichtum überdeckt. Vorteil der Postmoderne ist das Ausbrechen aus eingefahrenen Wegen und der Ideenreichtunm, der viele wissenschaftliche Zweige befruchtete.
Wichtige philosophische Richtungen nach der Postmoderne sind die späte Kritische Theorie, die analytische Philosophie, Systemtheorie, sowie die modernere Sprachphilosophie.
Neue heftig diskutierte Richtungen, die in der Philosophie wenig beachtet werden, sind Feministische Philosophie, Critical Philosophy of Race, zweite Moderne, Postdemokratie und Postkolonialmus. Die neueren philosophischen Richtungen brechen mit philosophischen Traditionen und machen bewusst, dass die philosophischen Denkansätze auch gesellschaftlichen Traditionen und deren Einschränkungen, sowie Machtbestrebungen gehorchen.
Der Vernunftbegriff in der Philosophie hat sich im Laufe der Geschichte immer mehr von den objektiven Kriterien gelöst und in das selbstständige verantwortliche Subjekt begeben. Das bedeutet nicht, dass in der früheren Geschichte die Menschen weniger selbstständige Gedanken hatten, sondern dass in unserer heutigen Vorstellung, in der Diskussion, wie Vernunft sich darstellt, die Argumentationsreihen vom Subjekt und dessen Freiheitsbegriff ausgehen. Problem dieser Sichtweisen der Vernunft ist, dass jeweils der nicht in den Argumentationsketten vorkommende Teil der Beziehung eines einzelnen Menschen zu dem was mit Menschengruppen um ihn herum passiert, ausgeblendet wird. Der fehlende Teil in der normativen Ontologie wird versucht mit hermeneutischen Beispielen oder sprachlichen Analysen zu begreifen. Der fehlende Teil beim Subjektbegriff wird in logische Analysen, Geist, System oder evolutionären Begriffen verpackt. Eine Argumentation zum Vernunftbegriff beschreibt jederzeit, was im gesellschaftlichen Vernunftbegriff vernünftig erscheinen könnte, nicht was wirklich, dass was gerade als vernünftig empfunden wird, entstehen lässt.
Im Vernunftbegriff schwingt Wahrheit, Richtigkeit, ethische Gültigkeit, logische Stringenz und geschichtliche Genese mit. All das sind Sichtweisen, die je nach Kultur und Sieger anders gesehen werden. Der Vernunftbegriff ist der kulturimmanenter Begriff des Siegers, in dessen Macht es liegt, die Hintergründe zu verschleiern.
Das heißt, das Wissen um etwas steht in permanenter Kritik zur herrschenden Vernunft.
Das moderne Wissen zeichnet sich durch eine strukturierte Vorstellung in Philosophie, Soziologie, Psychologie und Biologie aus. Aufgrund der Auswirkungen des wissenschaftlich fundierten Wissen auf das menschliche Selbstbild und den gesellschaftlichen Hintergrund hat die wissenschaftliche Darstellungsweise Probleme ihre systeminterne Artikulation auszuüben. Aus diesem Grund findet die aktuelle Diskussion zumeist auf der Ebenen philosophischer Erzählungen statt? Wissenschaftliche Felder haben es schwer, die eigenen Auswirkungen auf die Gesellschaft zu interpretieren ohne ihr Feld zu verlassen. Was, trotz aller Unkenrufen, die Philosophie in populärwissenschaftliche Gebiete einbrechen lässt.
Was ist das moderne Wissen?
Das menschliche Bewusstsein ist ein evolutionär entstandener Zustand, der in einer etwas sekündlich verspäteten Wahrnehmung der Umwelt und Integration in schon vorher abgespeicherte Umweltvorstellungen mündet und das Gefühl geistiger Einigkeit erzeugt. In der Verarbeitung des Bewusstseins findet eine differenzierte Trennung der Wahrnehmung von Körper, Umwelt und eigener Person statt. Die Sprache, als eine Möglichkeit der sukzessiven Informationsübertragung verbindet alle Ebenen der Wahrnehmung des Bewusstseins und macht es möglich, dass Bewusstsein mit anderen Menschen zu verbinden und in ein dissipatives Muster zu verwandeln, das Sozialverhalten im sozialen Raum der Sprache.
Der soziale Raum besteht aus Menschen und den von ihnen geschaffenen kommunikativen Systemen.
Subjekte zusammen objektivieren, erschaffen Symbole und Begriffe und schaffen die Soziale Objektivität, die Gesellschaft. Systeme subjektivieren, ordnen dem Einzelnen eine Aufgabe, Rolle zu und erschaffen damit die Soziale Subjektivität, die Person. Subjektivierung und Objektivierung zusammen erschaffen soziale Räume, Völker, Nationen, Reiche, Organisationen und Institutionen in denen die gesellschaftliche Wirklichkeit stattfindet
Die Bewegung von Informationen / Wissen zwischen Subjekten und Systemen ist die Kommunikation. Subjekte untereinander können kommunizieren, Subjekte und Systemen können miteinander kommunizieren, Systeme untereinander können kommunizieren. So ist es an der Sprache erkennbar, ob sie auf persönlicher Ebene oder normativer Ebene stattfindet.
Da die Wahrnehmung der Subjekte und Objekte entsteht nachdem gesprochen wurde, ist die Wahrnehmung und das Gespräch über das Geschehene zeitlich nur in einer Richtung möglich. Zeit ist eindimensional und gerichtet aufgrund der Kommunikation im sozialen Feld darüber. Alle Vorstellungen haben daher eine Geschichte und jede Kommunikation baut auf eine Erzählung auf. Erzählungen haben rückwirkend eine Geschichte und bauen auf objektivierten Begriffen auf. So sind durch Sprache entstandene Begriffe zeitlich aufgeladen. Sie haben eine Genese, eine Evolution und eine innere Logik und sind beschreibbar in ihrer Struktur. Struktur ist ein sprachlicher Begriff, kein weltlicher.
Das Leben, egal wie es in Wirklichkeit ausschaut, erscheint daher in den Begriffen und der Sprache als ein strukturiertes, logisches aufeinander Bauen von Symbolen, verbunden mit dem eigenen Bewusstsein. Erzählungen beschreiben auch immer meine Interessen, Rollen und Urteile in Verbindung zur sozialen Wirklichkeit.
Soziale Systeme erschaffen und strukturieren sich durch Symbole. Die Zuordnung von Subjekten zu Rollen macht auch Subjekten Menschen mit einem Namen. Begriffe objektivieren sich aus der gemeinsam kommunizierten Wahrnehmung von Menschen. Die Subjektivierung von Menschen beinhaltet ihre Motivation und beginnt schon nach der Geburt. Das Erlernen von Sprache beinhaltet auch das Erlernen des Wertes von Begriffen. Symbolen entstehen in der Evolution des sozialen Raums und beinhalten eine Evolution der in ihnen enthaltenen Motivationen. Sprache, Begriffe enthalten Motivationen und Gefühle und gehören zur Kommunikation von Systeme an Subjekte. Die Akkumulation von symbolischen Werten in Ressourcen und deren logisch vernünftiger Argumentation ist ein für das Fortbestehen des sozialen Raumes und dessen Individuen notwendige Bedingung.
Der Übertragungsweg der Kommunikation ist das Medium. Die Grenzen des Mediums bestimmen die Grenzen der Kommunikation und erzeugen einen blinden Fleck gegenüber der Wahrnehmung des Einzelnen, der mehr als ein Medium benutzt, was dieser als Entfremdung oder Unpersönlichkeit empfindet.
Je differenzierter sich eine Gesellschaft darstellt, desto mehr fühlt sich das Subjekt mehreren sozialen Räumen und Systemen zugeordnet. Wissen ist die einem Subjekt im sozialen Raum bekannte Summen von Begriffen und deren Zusammenhängen, der immanenten Objektivität. Das Wissen der sozialen Systeme übersteigt das Wissen einzelner Personen. Das menschliche Sozialverhalten geht weit über die Möglichkeit einer einzelnen Person hinaus. Die Entfremdung des Mediums und die Wissensübermacht der Systeme führt im einzelnen Menschen zu einem Gefühl der Ohnmacht. Begriffliche Symbole, wie z.B. Gehorsam, Glaube, Einigkeit oder Heldentum sind Objektivierungen, verbunden mit Motivationen und Gefühlen, die im sozialen Raum die Ohnmacht des Einzelnen überwinden. Sie schaffen die Logik des sozialen Verbundes.
Wissen entsteht durch Kommunikation, in einer geschichtlichen, evolutionären Logik, die subjektiv als Herrschaftsdiskussion wahrgenommen wird und Ausdruck sozialer Interessen ist. Zu den Kommunikationsregeln gehören Lügen, Täuschung, Überstrapazieren, Verstecken von Informationen, rhetorische Mittel usw., genauso wie die normale Übermittlung von Informationen. Die Grenzen der Kommunikation sind an die Eigenschaften der Medien gebunden, dies geht soweit, dass die Sprache als wichtigstes Kommunikationsmedium in ihrer Dynamik evolutionär zu untereinander fast inkompatiblen sozialen Systemen mit eigenen Regeln führt. Es entwickeln sich Sprachgrenzen und zugeordnet die dazu gehörigen Nationen.
Handel als eine eigene Form der Kommunikation über Ressourcen, sowie Reisen auf der Suche nach neuen Ressourcen haben diese Grenzen historisch aufgebrochen.
Neue Medien, wie die Informationstechnik führen zu neuen Kommunikationsmöglichkeiten mit eigenen Regeln und Systemen, die wiederum auf die alten Medien und ihre Systeme zurückwirken. Der Mensch kommuniziert über all diese Medien. Die Möglichkeit Nachrichten jederzeit und sofort über das Internet zu verschicken, erhöht die Transparenz von Informationen. Die Täuschungsmöglichkeiten der normalen Sprache können nicht greifen. Somit stehen Systeme, die auf den Regeln und Normen der verschiedene Medien aufgebaut sind, konträr gegenüber. Alte Systeme versuchen die neuen Medien zu vereinnahmen, verändern sich dabei aber, weil sie schon die neuen Medien nutzen.
Jede sprachliche Aussage enthält Subjektivierungen und Objektivierungen. Bei jeder Subjektivierung werden einer Person Merkmale innerhalb des sozialen Raumes zugeordnet. Daher ist jede Subjektivierung auch eine Hierarchisierung des sozialen Raumes und erschafft soziale Ebenen. Jede sprachliche Äusserung ist mit einer Herrschaftsdiskussion verbunden. Herrschaftsdiskussionen können unterschiedliche Größen und Eskalationsstufen erreichen. Von innerpsychischen Zweifeln über familiäre Streits, religiöse Disputationen zu nationalen Kriegserklärungen und Völkermorden. Herrschaftsdiskussionen, die über soziale Räume hinaus auf gesellschaftlichen Inhalt Bezug nehmen werden zur Politik. Jede Herrschaftsdiskussion drückt das Interesse des sozialen Kommunikationsraumes aus.
Internationaler Handel, Tourismus und Informationstechnologie haben die weltweite Kommunikation soweit beschleunigt und aufgebrochen, dass kulturelle Dissonanzen, soziale Probleme und mediale Auswirkungen heute weltweit diskutiert werden. Die dabei auftretenden sozialen und kulturellen Verwerfungen sind global.
Nun stellt sich die Frage, welche Konsequenzen sich aus dieser Struktur der menschlichen Evolution im Zusammenhang von Wissen und Vernunft bei modernen Problemen ergeben?
Ich möchte daher einige Themen kurz ansprechen.
Fake News:
Jeder soziale Raum hat seinen eigenen Kommunikationsinhalt, der für Stabilität sorgt und in Herrschaftsdiskussionen mit anderen sozialen Räumen abgeglichen wird. Die Gesellschaft besteht aus einem Sammelsurium sozialer Räume und Systeme mit unterschiedlichen Kommunikationsinhalten. Wissenschaftliche Diskussionen finden zwischen unterschiedlichen sozialen Räumen statt, mit unterschiedlichen sozialen, wissenschaftlichen und politischen Interessen. Treffen unterschiedliche Interessen sozialer, politischer und wissenschaftlicher Natur in unterschiedlichen Medien aufeinander, so ist es nicht mehr so einfach von Täuschung zu sprechen. In einem Medium kann etwas als Lüge erscheinen, im anderem Medium erscheint dieser Sachverhalt eventuell als wahr. In den Herrschaftsdiskussionen der Kommunikationsräumen, können Medien gegeneinander ausgespielt werden. Den einzelnen beteiligten Systemen ist es nicht mehr so einfach möglich, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, so das in den Systemen Subsysteme entstehen, in denen das, was in andern Medien als Täuschung offensichtlich ist, als Wahrheit erscheint. Das gegeneinander ausspielen von Medien ist eine rhetorische Argumentationsfigur innerhalb einer Herrschaftsdiskussion, in der es passieren kann, dass Mitglieder der sozialen Räume offensichtliche Unwahrheiten für wahr halten oder es in ihrem Interesse liegt, dies für wahr zu halten. Das ist kein Einzelfall, der selten passiert, sondern immer da präsent, wo mehrere Medien in einen sozialen Raum ragen. Zwischen Buch und Sprache, zwischen körperlicher Sprache und akustischer Sprache, zwischen Zeitung und Fernsehen. Der Unterschied zum Internet ist die Transparenz, die das Internet zusätzlich schafft und die die Täuschungen für manche so offensichtlich werden lassen und für manche nicht.
Unterschiede von Mann und Frau
Die sichtbaren Unterschiede von Mann und Frau sind körperlicher, wie symbolischer Art. Kleidung, Haartracht, sprachliche und körperliche Artikulation, Rollen in Herrschaftsdiskussionen, geschichtliche Beispiele von Personen, all dies sind symbolische Akte in sozialen Räumen. Körperliche Geschlechtsmerkmale entstehen durch die genetische Verschmelzung in der Eizelle, der hormonellen Situation in der Fruchtblase und Nabelschnur in der Embryonal- und Fetusentwicklung, sowie der nachgeburtlichen persönlichen und psychischen Entwicklung. Die körperlichen Merkmale sind damit weder eindeutig vorgegeben, noch eindeutig mit sozialen Symbolen verbunden. Das Herausbilden der körperlichen Merkmale mit der sozialen Symbolik stellt sich erst im Laufe der Entwicklung des Menschen in seinem sozialen Umfeld heraus. Gleichwohl sind in der evolutionären Entwicklung der Menschen körperliche Merkmale zwingend vorgegeben, ohne die keine Nachkommen gezeugt werden können. Da die soziale, wie biologische Entwicklung auseinanderklaffen, ist das Entstehen einer starken sozial motivierte Symbolik, bezogen auf die Geschlechtsrollen verständlich. Wer sich in seiner persönlichen Entwicklung nicht klar auf eine Rolle festlegt, wird dazu mit Gewalt gezwungen. Jede Gesellschaft hat für diese problematische Situation der sozialen Entwicklung Lösungsmöglichkeiten erfunden, z.B. Knabenliebe im antiken Griechenland, der Stand der Hijra in Indien, das Zölibat in der katholischen Kirche oder das Patriarchat. Es gibt oder gab es auch Kulturen, die auf ein Nichteinverständnis der Geschlechtsrollen normativ Gewalt oder den Tod artikulierten. Da die an den Rollenspielen beteiligten Personen aus körperlichen oder psychischen Gründen dem sozialen Druck der Umwelt nicht nachgeben können, sind sie ein leichtes Opfer für Repressalien innerhalb von Herrschaftsdiskursen. Die Problematik der Geschlechtsrollen in einer Gesellschaft ist ein Zeichen für strukturelle soziale Probleme, sichtbar an den Repressalien derer, die sich nicht so leicht anpassen können. Das gilt auch für die Geschlechtsrolle. Es werden Schuldige gesucht. In der modernen globalen Gesellschaft mit erhöhten Informationstempo und Transparenz, ist es einfacher, dass sich die unter den Repressalien Leidenden austauschen und organisieren. Was wiederum in den einzelnen Kulturen zu Verwerfungen und Gegenbewegungen führt. Die Dynamik der Geschlechtsfindung ist kein Problem einzelner Personen, sondern Symbol für bestehende Herrschaftsstrukturen in den Gesellschaften. Mit dem Problem der Geschlechtsfindung direkt verbunden sind die sozialen Diskurse um den Feminismus und das Patriarchat.
Rasse
Aus der biologischen Wissenschaft her gibt es keinen Grund menschliche Rassen zu unterscheiden. Manchmal sind die Unterscheidungsmerkmale innerhalb einer geographischen Gruppe größer als zwischen Kontinenten. Aus optischen Unterschieden lassen sich keine genetischen Unterschiede herleiten. Also sind die Begriffe der Unterschiede der verschiedenen menschlichen Rassen in Herrschaftsdiskursen zwischen zwischen sozialen Systemen entstanden. Die Vorstellung ist, dass sich anhand phänotypischer Merkmale, über nationale oder soziale Symbole biologische Zuordnungen treffen lassen. In Wirklichkeit wird der soziale Status über einen Phänotyp abgeleitet. Somit hat der Rassenbegriff in seiner Verwendung eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Klassenbegriff. Der Rassenbegriff ermöglicht der herrschenden Mehrheit eines sozialen Systems eine klare Trennung der Subjektzugehörigkeit und Ressourcenzuordnung vorzunehmen. Im Gegensatz zum Rassenbegriff bedarf der Klassenbegriff einer feineren symbolischen Zuordnung über Unterschiede wie Kleidung, Ernährung, Kunst, Gesundheit, Bildung, Sprache. Durch den Rassenbegriff ist es einem sozialen System, trotz interner starker ethischer Prinzipien, möglich den abgewerteten sozialen Mitgliedern jegliche Rechte und Menschlichkeit abzusprechen. Ihre Arbeitskraft und auch ihr Leben können als Ressource genutzt werden.
Wissenschaftliche Wahrheit
Wie alle Objektivierungen in sozialen Systemen ist auch der Begriff der Wahrheit durch vielfältige Symboliken und Interessen gekennzeichnet. Wissenschaftliche Arbeit zeichnet sich durch einen eigenen Prozesscharakter und Situativität aus. Eigene Normen regeln die Verbindlichkeit, das Tätigkeitsfeld, die Professionalisierung, sowie den wissenschaftstheoretischen Modellcharakter. Innerhalb des wissenschaftlichen Forschungsfeldes treten soziale, persönliche, gesellschaftliche und wissenschaftsethische Interessen auf und führen zu wissenschaftlichen Diskursen. Das was in einem wissenschaftlichen Feld als wissenschaftliche Erkenntnis erscheint, ist das, was die wissenschaftliche Gemeinschaft, als Summe sozialer Räume, im Rahmen ihrer Normen und Interessen gemeinschaftlich kommunikativ nach aussen vertreten kann. Damit wissenschaftliche Felder eine Geschichte erzählen können, werden sie Personen zugeordnet, obwohl der wissenschaftliche Prozess ein Prozess von Vielen ist. Das gilt besonders auch für die Philosophie. Gleiche Forschungsfelder können unterschiedliche Interessen vertreten und damit unterschiedliche Meinungen ausdrücken. Ob die Erde oder Sonne im Mittelpunkt steht, ob Hygiene schädlich oder gesundheitlich fördernd ist, ob radioaktive Strahlung negative oder positive Wirkung auf den menschlichen Körper hat – oder ob das Klima der Erde sich für die Menschen schädlich auswirkt oder nicht, ist keine Frage der ewigen Wahrheit, sondern eine Frage des Ansehens der Wissenschaft und der Interessen und Kommunikation innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Die wissenschaftlichen Ergebnisse spielen eine große Rolle für die Stabilität und die Freiheitsgrade der sozialen Systeme. Wissenschaft ist ein Teilaspekt der Evolution der Technik, die untrennbar mit der Geschichte der Menschheit verbunden ist. Soweit, dass Werkzeuge, Geräte und Maschinen, genauso wie Rollen, Regeln und Normen einer geschichtlichen Evolution unterliegen. Wissenschaftliche Wahrheit ist eine Norm, der sich die wissenschaftliche Gemeinde unterordnet und verbindet. Sie liegt im Interesse ihrer Erkenntnisse.
Bemerkenswert ist, dass sich das moderne Wissen auf sozialer, wissenschaftlicher und philosophischer Ebene durch eine hohe Differenziertheit der Sozialkritik ausdrückt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen durch den globalen Wahrheitsanspruch konträr zu lokalen sozialen Normen und Regeln. Die Wissenschaft der Gesellschaft und des Sozialen ändert ihre eigene soziale Normen und ihre gesellschaftliche Umgebung. Sie befindet sich in einer Evolution der sozialen und wissenschaftlichen Normen. Wissenschaft wird für lokale soziale Systeme und Nationen gefährlich aufgrund ihrer globalen Sichtweise. Der wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurs des modernen Wissens bestimmt die Sichtweisen, Interessen und Machtverschiebungen in Themen wie Globalismus, Rasse, Klimaänderung, Feminismus, Kolonialismus, Kapitalismus und Demokratie. Auf den ersten Blick erscheint das moderne Wissen den Anfeindungen der klassischen sozialen Systeme ausgeliefert. So wirken Fake-News wie eine moderne Errungenschaft, die die Wahrheit durch Systemveränderungen der Medien, wie journalistischer Ethos, Medienkontrolle und Kontrolle sozialer Medien zerstören kann. Das moderne Wissen ist eine Revolution auf globaler, sozialer und kultureller Ebene, mit all den Auswirkungen einer Revolution. Für die Philosophie wichtig ist daher nicht nur eine Aufarbeitung der wissenschaftlichen Ansprüche und sozialen Auswirkungen, sondern auch ihre eigene Position in der Ethik des globalen Diskurses des modernen Wissens.
Viele Begriffe wurden nicht weitergehend erklärt. Mir ist bewusst, das eventuelle Einiges verkürzt oder falsch dargestellt wurde. Was aber durch die aktuelle Lage der Diskussion kaum anders möglich ist und auch meine Grenzen aufzeigt. Trotzdem ist es mir wichtig, auf die Aspekte der aktuellen Diskussion einzugehen und sie aufzuzeigen, da sie praktisch in jedem Bereich spürbar ist. Es ist der Beginn einer globale Aufklärung der Vernunft.
Fürth, den 29.Mai


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