Was ist die heutige Wirklichkeit?
In der heutigen Zeit gibt es einen Umschwung der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Wahrheit und Realität:
- Das Wirklichkeit ist die Natur, das was auf uns kausal wirkt
- Die Wirklichkeit kann nur in Auseinandersetzung mit der Natur erfahren werden
- Die Wirklichkeit war einmal Gottes gegeben
- Die echte Wirklichkeit kann erfahren werden
- Die echte Wirklichkeit kann nicht nur erfahren, sondern auch von mir erkannt werden
- Die Wirklichkeit wird von den Wissenschaften erforscht, verstanden und gebaut
- Die Wirklichkeit ist das, was real ist, was die Medien uns zeigen und was ich in der Natur sehe
- Die Wirklichkeit kann viele Seiten haben und wird nur vom Menschen erkannt
Gesellschaftlich sind wir an dem Übergang von der Mediengesellschaft zur vielfältigen Postmodernen Gesellschaft. Sichtbar wird das an der Erosion der Medien und der beginnenden Relativität der Kausalität. Meinungen fallen auseinander und sind nicht mehr argumentativ, kommunikativ und logisch auszugleichen. Frühere gesellschaftliche Rollen, die über Geschlecht, Rasse oder Klasse definiert wurden, werden in Frage gestellt.
Jeder Mensch lebt in einer Vielzahl von Systemen und der Mensch selber ist ein Set von Systemen im Körper und als Aura am Körper, z.B. durch Kleidung, Schmuck, Verhalten, Aussehen, Sprache, Persönlichkeit, die der Mensch im Laufe seines Lebens als Symbol gespiegelt, aufgenommen, erlernt und behalten hat. Die komplette persönliche Aura und der Körper ist der Mensch. Die Aura ist als System in dauernder Wechselwirkung mit der Umwelt über Kleidung, Sprache, Persönlichkeit, Geruch.. und ist auch ein System, was mit der Umwelt interagiert. Der Mensch ist eine Integration von Systemen unter einem sozialen Bewusstsein in einem sozialen Raum in einer sozial strukturierten Gesellschaft.
Die Änderung des Verständnisses von Wahrheit und Wirklichkeit verändert auch die Auffassung von Gerechtigkeit. Das System des Ineinandergreifens von Demokratie und Kapitalismus ist die Objektivierung von Gerechtigkeit.
- Gerecht ist, wenn der Handel bei einer Person Gewinn erzeugt und bei einer anderen Verlust
- Gerecht ist, wenn ein Bürger mehr Freiheitsraum hat, als ein anderer Bürger. Alle sind gleich, aber nur innerhalb gesellschaftlichen Klassen
- Wer, welcher Klasse angehört und Gewinn erwirtschaftet, ist selbst dafür verantwortlich.
- Eine Dekonstruktion der Begriffe von Gewinn und Klasse ist gesellschaftlich sanktioniert und eine Kritik der Privilegien und Ungerechtigkeiten, sowie der Ressourcenverteilung. Wer mich kritisiert, nimmt mir etwas weg.
Dies gilt im weiteren Sinne auch für den Kommunismus als eine Spielart der Ineinandergreifens von Demokratie und Kapitalismus, mit einer anderen Hierarchisierung und sozialen Rollenverteilung.
Modern wird die Idee der Gerechtigkeit differenzierter gesehen, weil die Systemanzahl der Subjekte größer wird und die Bürgerpflichten unübersichtlich. Aus Bürgerpflicht wird ein Gesellschaftsvertrag gebildet. Utilitarismus und Egalitarismus sind Gerechtigkeitsprinzipen des Kapitalismus. Gerechtigkeit kann nur durch kommunikative Diskurse gebildet werden.
Viele Klassenbedeutungen verändern modern ihre Beschreibung und Objektivierungen. Sie differenzieren sich von klassischen Betrachtungen zur differenzierte Betrachtungen von Rasse, Frau, Klassen, Migranten, Ausländer, Kranken, schwächeren Menschen usw. Rassen entstehen dadurch, dass kulturelle und systemische Unterschiede, in einem Herrschaftsdiskurs, in einer weiteren systemische Differenzierung zu ethnologischen und nationalen Klassenunterschieden objektiviert werden. Was zu Unterdrückung und Privilegierung führt. Jede Klassen oder Genderzuweisung ist daher geschichtlich und sozial konstruiert.
→ Hier begründet sich eine wichtige ethisch Frage: Sind Herrschaftsdiskurse strukturell unvermeidbar und warum entstehen sie auch einer historisch fortschrittlichen Gesellschaft? Begriffe wie Gerechtigkeit, Hierarchie, Herrschaft, Evolution, Ideologie, Leistungsgerechtigkeit, Fortschritt, geschichtlicher Wandel der Werte und Egoismus verändern ihre historische kapitalistisch, demokratische Sinnbeaufschlagung und geraten in Diskussion.
→ Die Frage der Herrschaftsdiskurse führt direkt zu einer neuen Frage: Was ist Macht?
Macht ist eine hierarchische Differenzierung, die der sozialen Konfliktbearbeitung dient. Macht ist immer auch eine kommunikative Macht und bezeugt einen Willen, den Willen des sozialen Raumes, der die Macht ausübt. Individuen haben keine Macht, sie sind nur alleine. Macht kann nicht von Gegenmacht gebrochen werden, denn das führt zu weiteren Konflikten, die weitere Machtpositionen beauftragen. Macht kann nur durch eine Willensbildung zur Änderung des sozialen Raumes gebrochen werden, durch die kommunikative Solidarität einer anderen Willensbildung, die Institutionen und Organisationen gründet, die Moral und Rechtsbegriffe aufgrund der neuen Gründe der Rechtfertigung zur Gerechtigkeit ändert. Organisatorische Macht steht auf der Geltungsseite. Kommunikative Macht auf der moralischen Seite. Kommunikative Solidarität auf der Seite der Rechtfertigung. Rechtfertigung findet immer über kommunikative Prozesse statt und mündet im Aufbau neuer sozialer Strukturen, sozialer Rollen und Tätigkeiten. Das Gerechtigkeitsgefühl der Rechtfertigung, was zur kommunikativen Solidarität führt, baut auf Gefühlen und Rollenvorstellungen auf, und ist somit biologisch, wie sozial strukturiert. Es kann um Hunger, Angst um das Leben, um das Gefühl des „ausgebeutet seins“ gehen, wie darum persönliche Ressourcen oder Identität zu verlieren. Gefühle sind komplexe erlernte, hormonell unterstützte Motivationen der Persönlichkeit zur Verbindung des Körpers mit der sozialen Struktur und sorgen auch für eine emotional unterstützte Haltung in der Solidarität. Die soziale Kraft, die entsteht, wenn Menschen wegen ihrer Ungerechtigkeit zusammenarbeiten, ist nicht zu unterschätzen. Die Kraft der Aufklärung wird auch von den bestehenden Rechts und Moralsystemen als Druck gespürt. Diese Systeme werden, mit großer Kraft, versuchen die Rechtfertigungsgründe zu unterdrücken. Rechtfertigung zur Gerechtigkeit ist eine soziale Dynamik zur Konfliktbewältigung, die je nach Stärke des Konfliktes zu großen sozialen Verwerfungen führen kann. Sie kann Menschen umbringen, die an ihre Rechte glauben.
Die epistemologische Transparenz, die die Seite der Rechtfertigung mit ihren Erzählungen offeriert, steht gegen Abwertung der bestehenden sozialen Systeme. Transparenz ist noch keine Konfliktlösung, sondern sie bringt den Konflikt erst an den Tag. Die Konfliktlösung besteht daraus, dass die bestehenden Systeme sich mit der Erzählung der Rechtfertigung über neue soziale Strukturen arrangieren. Aufklärung ist praxisbezogener Sinn von sozialstrukturierter, kognitiver Reflexion, die sprachliche und sozialstrukturierte, moralische, wie rechtliche Änderungen bewirkt. Gewalttätige Konflikte sind Herrschaftsdiskurse zwischen Rechtfertigungssystemen, die beide unter hohem Druck die sozialen Konflikte der beteiligten sozialen Räume bearbeiten und nicht mehr über kommunikative, emotionale Demotivation oder den Ausgleich sozialer Rollen Konflikte ausräumen können. Soziale hierarchische Konflikte sind in Gesellschaften immer vorhanden und werden durch individuelle Angleichung, soziale Angleichung und sprachliche Angleichung entschärft, um die soziale Praxis ungestörter laufen zu lassen. Die soziale Entschärfung ohne Gewaltausbruch ist einen soziale Regel, die in gewalttätigen Konflikten nicht mehr funktioniert. Eine neue Gerechtigkeit bedeutet auch immer neue soziale Strukturen, neue soziale Hierarchien und neue Rechtfertigungsgründe. In den Aufklärungsprozessen entstehen neue soziale Strömung und Gegenströmung, die in Herrschaftsdiskursen ausdiskutiert werden.
Daneben gibt es eine verdeckte geschichtlich langsam arbeitende Hauptströmung, die nicht artikuliert werden kann, da die Herrschaftsdiskussionen der Rechtfertigung nur die offensichtlichen Strömungen erfasst. Die Hauptströmung kann nicht diskutiert werden, da dies die Diskussion behindern würde. Die Hauptströmung einer sozialen Aufklärung ist nicht der soziale Fortschritt, sondern die soziale Konfliktbereinigung. Darum hat der technische produktive, kaufmännisch handelnde und individualistisch verselbstständigende Fortschritt der Aufklärung nicht zu einem besseren Verständnis von Klassen, Unterdrückung und Ausbeutung geführt. Sondern zu einem neuen Machtgefälle und Rechtfertigungsdruck. Nationale imperialistische Interessen und der Fortschritt der Waffentechnologie erzeugten einen starken individualistischen, nationalen, emotionalen Druck und Rollenvorstellungen mit starkem Machtgefälle. Kolonialismus erzeugte Konservatismus und Nationalsozialismus. Der Aufschrei der Kritik der Aufklärung, über die soziale Technik der Menschenrechtsvernichtung, ist ein vermeintlicher Aufschrei romantisch geprägter, selbstbezogener Individualisten mit historisch, machtbezogenen Rollenvorstellungen, die nicht die Ursachen der unmenschlichen, gewaltvollen Konflikte im Kolonialismus und Merkantilismus gesehen haben. Die fehlende global artikulierende ethische Sichtweise hat sich erst später entwickelt.
Linda Martín Alcoff drückt den Lauf der Rechtfertigung als emotionale und körperliche Erfahrung in 6 Stufen aus:
- Gegendruck
- Wahrnehmung des Drucks
- Wahrnehmung der eigenen Not
- Entwicklung einer eigenen Kommunikation
- Öffentlich machen der eigenen Ungerechtigkeit
- Aufrechterhalten der wahrhaftigen Betroffenheit
Der emotionale wie soziale Rechtfertigungsdruck der Gerechtigkeit äussert sich beim Einzelnen in seiner Erfahrung. Es ist das, was der Einzelne in seiner Betroffenheit mitteilen kann. Ein wichtiger Aspekt in Herrschaftsdiskussionen und der Struktur von Ideologien ist der Umgang mit subjektiver Erfahrung und Intuition der Unterdrückung, Selektion, Bestrafung und Belohnung durch objektive Rollenzuweisung und subjektive Reaktionen auf Normen. Background und Erfahrung des Einzelnen beeinflußen das Sprachsysteme im Diskurs. Erfahrung ist auch eine soziale Struktur und nicht etwas, was nur der Einzelne für sich hat. Erfahrung hat eine soziale Geschichte. Eine Erfahrung verändert sich durch soziale Einflüsse. Erfahrung verändert aber auch den sozialen Raum der Person, sowie deren Institutionen und Organisationen. In der sozialen Dynamik der Rechtfertigung stehen Normen und Moral der Erfahrung des Einzelnen gegenüber. Als Beispiel im Stockholm Syndrom können Normen und Moral sogar die Erfahrung ausblenden.
Die Erfahrung ist ein zentrale Element in der sozialen Technik der Rechtfertigung, in der das Wissen über Ungerechtigkeit im Wissenstransfer in soziale Veränderungen mündet. Bei der Normierung und Moralisierung wird aus sozialer, individueller Erfahrung fachliche, wissenschaftliche Erfahrung und soziale Erfahrung in Hierarchien. Das heißt aber nicht, dass sich das Gute durchsetzt, sondern nur, dass aus einer Lösung von Konflikten heraus ein System von Symbolen durch eine anderes ersetzt wird. Das Gute im Fortschritt ist nur rückwirkend die logische Begründung für die Veränderung und Reaktion auf die argumentative Rechtfertigung. Das Bewusstsein des Guten baut auf der persönlichen Erfahrung auf, die sozial konstruiert, durch die Wahrnehmung der Konfliktfreiheit empfunden wurde. Die Erfahrung körperlicher Gewalt ist ein rein sozialer Akt, da der Körper eine sozial erlernte Erfahrung ist, die körperliche Integrität mit einem eigenen Kommunikationsmedium ausdrückt, dem eigenen Körper, der berührt oder verletzt werden kann.
Es gibt mehrere Kreisläufe, die die soziale Struktur auf motivationaler Ebene beeinflussen: Organisatorische Diskurse, Herrschaftsdiskurse, Erfahrungen und Rollen, erlernte hormonelle Motivationen, genetische Wahrnehmungseinflüsse, reale physische Eindrücke auf die Wahrnehmung. Der Körper ist in allen sozialen Kreisläufen beteiligt. Das bedeutet, dass alle Rechtfertigungsgründe der Gerechtigkeit sich letztendlich auch auf den Körper beziehen. Jedwede Art von Gewalt und Unterdrückung hat auch körperliche Auswirkungen. Somit sind auch Gefühle und Motivationen sozial konstruiert. Gerechtigkeit auf motivationaler Ebene richtet sich subjektiv auf die Kommunikation zwischen Personen und deren Körper und Erfahrungen.
Gerechtigkeit auf normativer Ebene richtet sich auf die Kommunikation zwischen Organisationen. Gerechtigkeit auf moralischer Ebene kommt aus der Kommunikation im sozialen Raum. Kommunikation über die Änderung sozialer Strukturen als Aufklärung richtet sich auf die Kommunikation zwischen Subjekt und normativem Objekt ein. Gesetzgebende oder moralische Kommunikation richtet sich umgekehrt auf die Kommunikation vom normativen Objekt zum Subjekt. Brüche in der sozialen Struktur sorgen dafür, dass Ungerechtigkeiten und deren Aufklärung hervortreten als Störungen in der Struktur des sozialen Raumes, als Bewegungen, Krankheiten, Änderungswillen und hormonelle oder sprachliche Motivationen. Die Kommunikation in sozialen Systemen enthält daher viel mehr als nur die Informationsübertragung zwischen 2 Personen oder Personen und Systeme. Sie enthält auch Gefühle, Erfahrungen, Wünsche, Ängste als komplettes soziale Konstrukt aller an der Kommunikation beteiligten Systeme. Das einzelne Individuum, das aus Erfahrung heraus Gerechtigkeit fordert und in eine Herrschaftsdiskussion einsteigt, kann die vielfältigen Kommunikationsvorgänge und übertragenen Informationen nicht überblicken.
Da Gefühle und Motivationen sozial konstruiert sind, ist auch die Sexualität und die körperlicher Erfahrung der sozialen Dynamik von Subjektivierung und Objektivierung untergeordnet. Da die Motivatoren in der Sexualität evolutionär verstärkt sind, führt dies zu Ideologien in der Sexualität und der Entwicklung der subjektiven Sexualität. Körperliche Gewalt und das Gefühl der Ungerechtigkeit sind daher in diesem Bereich tief verwurzelt, psychisch schädigend, die körperliche Identität zerstörend und trotzdem in sozialen Systemen weit verbreitet. Das gilt auch für die sozial strukturierte Bindung an den Partner. Die Entscheidung einer körperlichen, sexuellen Handlung ist freier Wille, der in Herrschaftsdiskussionen auch als soziale Ressource oder kulturelles Kapital angesehen werden kann. Sexuelle Handlungen sind käuflich, weil jeder Handel in einer Herrschaftsdiskussion steht und sozial strukturiert erlernt wird. Die Abgrenzung körperlicher sexueller Gewalt von freiwillig verhandelten Handlungen ist aufgrund der hohen motivationalen Herrschaftsdiskussion über die Integrität des Körpers sehr schwierig.
Die Symbolik, die über die Sexualität, die Moral und den Charakter eine Person entscheidet, ist sehr alt und stabil, wie Foucault in seinen Untersuchen feststellt. Moralische, wie normative sozial stabilisierende Systeme beruhen auf der körperlichen oder sexuellen Unterdrückung und reagieren aufgrund ihrer sozial stabilisierenden Funktion sehr wenig auf Rechtfertigungsgründe der Gerechtigkeit. Als Beispiele möchte ich hier das Patriarchat, Rassen- oder Klassenunterschiede nennen. Sie alle beruhen auf körperlichen Privilegien und bei allen Beteiligten im sozialen Umfeld anerkannten Rollen und Privilegien. Die Möglichkeit andere zu unterdrücken und dabei körperliche Privilegien in Anspruch zu nehmen ist ein starker Motivationsgrund für Menschen zu handeln, da ihre körperliche Erfahrung tief mit ihrer sozial strukturierten individuellen Persönlichkeit und deren sozialen Ressourcen verbunden ist. Das dies eine sozial konstruierte Motivation ist und keine individuelle Motivation, kann daran gesehen werden, das z.B. Frauen stärker als Männer sein können, Schwarze intelligenter und erfolgreicher als Weiße, Arbeiter kulturell gebildeter als Professoren. Körperliche, sexuelle Unterdrückung ist ein soziales Konstrukt und kann daher auch wie jedes soziale Konstrukt durch Diskurse geändert werden. Die verheerende Wirkung von Vergewaltigung auf die Persönlichkeit ist allen beteiligten bekannt, auch wenn sie geleugnet wird, weil diese Wirkung bewusst in Herrschaftsdiskussionen z.B. über Krieg, Prostitution, Familie, Kinderheirat benutzt wird.
Da der Körper sozial konstruiert ist, gibt es eine materielle Basis, die nicht sozial verändert werden kann. Auch die Grenzziehungen dazu ist sozial konstruiert. Wirkliche Erfahrung der materiellen Basis gibt es nicht, weil auch diese sozial konstruiert, argumentiert, hierarchisiert und mit Grenzen und Verboten versehen wäre. Das Selbst ist eine erlernte soziale Struktur, die dem einzelnen Stabilität gibt, seine eigene Person definiert und die durch Herrschaftsstrukturen beeinflusst und durch Gewalt beschädigt werden kann. Sie kann durch Identitätsstiftende Erzählungen wieder hergestellt werden. Entscheidungen über Gewalt entscheiden über Persönlichkeitsrechte und körperliche Rechte. Die Struktur der Persönlichkeit in der sozialen Struktur des sozialen Raumes bildet das was wir den Menschen nennen.
Die Persönlichkeit ist das, was im sozialen Raum Gewalt erfährt, von den anderen Persönlichkeiten im sozialen Raum, aufgrund der sozialen Struktur und den Entscheidungen der anderen Persönlichkeiten. Die Struktur des sozialen Raumes bedeutet nicht nur Gewalt gegen Einzelne, sondern erzeugt auch ein Struktur der Unterdrückung von gleichartigen Personen in einer moralisch unterstützten Abwertungsweise. Der Wandeln in der Struktur des sozialen Raumes wird hervorgerufen durch die Abwägung von Persönlichkeiten zwischen Ressourcenräumen im sprachlichen Austausch von Informationen zwischen Persönlichkeiten im Handel des Herrschaftsdiskurses.
Gewalt, als sozialer Systemkonflikt, an sich lässt sich nicht verhindern, aber sie kann auf zwei Wegen entschärft werden.
- Individuell im sozialen Raum über Resilienz, über Unterdrückung, Verhärten der Persönlichkeit, Stabilisierung der sozialen Beziehungen und der Gleichheit der Bürger in demokratischen Prozessen.
- Normativ durch ein Regelwerk der Persönlichkeit schützende soziale Struktur in Gesetzen, Religion, Organisationsstrukturen, über Moral und Gewaltenteilung.
Die normativen wie moralischen Systeme unterscheiden sich in der Unterstützung der beiden Arten der Gewaltentschärfung. Das moralische System setzt auf das Individuum im sozialen Raum. Während die Gesetzgebung versucht soziale Systeme, Religion und moralische Strukturen in normative Regeln zu setzen.
Zusammengefasst domestiziert und diszipliniert die soziale Struktur das Individuum. Rechtfertigungsdiskurse sind daher im sozialen Raum starken Widerständen gegenübergestellt. Es geht um die Stabilität des derzeitigen sozialen Raums. Herrschaftsdiskurse sind darin nur die kurzfristige kommunikative Auswirkung einer langwierigen dynamischen sozialen Strukturstabilisierung. In der Schule werden normative und moralische Strukturen gelehrt und damit auch schon Ungerechtigkeiten, die im Rechtfertigungsdruck stehen. Da Schüler und Studenten noch nicht weitgehend in soziale Systeme, die die Rechtfertigungsgründe für Gerechtigkeit unterdrücken, integriert sind, sind sie offener für die Argumente der Rechtfertigung für Gerechtigkeit, was die soziale Struktur der Rechtfertigung oft an Generationskonflikte bindet.
Der Begriff der Herrschaftsdiskussion als ein zentraler Punkt der Machtausübung beinhaltet formal Sprachphilosophie, Systemtheorie, Klassentheorie und Aufklärungskritik in einem neuen kommunikativen postmodernen Konzept. Formale Regeln sind Regeln der Kommunikation. Kommunikationsregeln sind soziale Konstrukte. Kommunikation ist Technik. Daher sind auch Herrschaftsdiskussionen ein soziales Konstrukt und soziale Technik. Der Zusammenhang zwischen Sprache, Kommunikation, Diskurs und sozialer Struktur ist so, dass wir nur darüber reden können, uns auseinandersetzten, es beschreiben oder bedenken. Soziale Struktur besteht aus Gesetzen, Regeln, Gott und System. Sprache kann vom sozialen System nicht getrennt werden, da sie die einzige beschreibende Möglichkeit ist, die wir haben. In der Sprache wird die Herrschaftsdiskussion gedacht mit normativen Regeln und professionalisierten Personen in kommunikativen Medien als Entscheider und Sprecher und Zuhörer. Sprache ist auch eine soziale Technik. Eine rhetorische Figur in der Herrschaftsdiskussion ist das Verhindern der Übertragung von Informationen, Erfahrung, Betroffenheit von einem sozialen Raum auf eine soziale Struktur durch Emotionalisierung, Versachlichung oder sprachliches Überdecken. Intersektionalismus vermischt die verschiedenen Arten der Unterdrückung z.B. von Rasse, Geschlecht und Klasse und verschleiert so die Ursachen von Gewalt. Es ist eine rhetorische Figur in den Herrschaftsdiskussionen.
Gerechtigkeit bedeutet strategisch, argumentativ normative Differenz und Universalität oder Kritik der sozialen Struktur im Aufbegehren und in Humanität. Jede Rechtfertigung von Gerechtigkeit mündet in eine Herrschaftsdiskussion. Somit ist auch die philosophisch, ethische Rechtfertigung von Gerechtigkeit in jedem Fall der Zwiespältigkeit, der Distanz und den Machtgelüsten, der sie aussprechenden sozialen Räume ausgeliefert.
Amy Allen beschreibt die heutigen philosophische Probleme des Gerechtigkeitsgedankens recht zutreffend.
Da die Aufklärung und die kritische Theorie auf dem Kolonialismus gründen, und als Idee diesen aus der Gerechtigkeit aussperren, ist das normative Verständnis der Geschichte, des Fortschrittsgedankens und die Gesetzmäßigkeit und Souveränität der Gesellschaft auch über die Dialektik der Aufklärung hinaus kritisch zu denken. Dies betrifft über den Fortschrittsgedanken, die Überlegenheit des Handelns und die Moderne auch die Grundlagen des Kapitalismus und des Diskurses. Die Kritische Theorie setzt sich nicht mit der kolonialen Moderne auseinander, obwohl der Nationalsozialismus im abbrechenden Kolonialismus seine Wurzeln hat. Es ist die enttäuschte Menschlichkeit, die nicht mehr Übermensch sein darf und die wirtschaftliche Flaute im Übergang zum Globalismus. Die Kritische Theorie, wie die Postmoderne hat daher Nähe zum Neokolonialismus. Moderne Ethik ist ohne dekolonisiertes, globales Geschichts- und Fortschrittsverständnis nicht möglich.
Die Frage der modernen Ethik mündet praktisch in der Frage inwieweit die westliche, weiße soziale Gemeinschaft das Recht hat ihre industrielle, demokratisch- kapitalistischen koloniale Überlegenheit als Begründung für ein weiteres überlegenes industrielles Ausnutzen der untergeordneten Nationen benutzen darf, um ihren Lebensstandard zu erhalten und die technische Entwicklung weiterzuführen. Die Rolle der Postmoderne ist die, nach der Dialektik der Aufklärung aufrührerisch auf die blinden Flecken der philosophischen Wahrnehmung aufmerksam gemacht zu haben, ohne schon aus der Dialektik der Aufklärung mit ihren kolonialen Wurzeln herausgewachsen zu sein und daher immer noch elitär zu wirken. Fortschritt und Systemerweiterung sind fest in der Technik der Individualisierung im Handel des Kapitalismus eingeschrieben. Geschichtsphilosophie bedeutet die sozialen Implikationen des fortwährenden Fortschritts in Erklärungszusammenhängen zusammenzufügen. Gerechtigkeit ist der normative Rahmen, in dem eine Gesellschaft ihren Mitgliedern individuelle Rechte zuteilt.
Die abschliessende wissenschaftlich, ethische Frage ist nun , inwieweit die Rechtfertigung der globalen Gerechtigkeit in die rechtliche Normierung der westlichen Staaten integriert werden kann, ohne den Rechtsstaat und die soziale Struktur von Kapitalismus und Demokratie zu zerstören. Im derzeitigen Konfliktszenario gibt es dazu sehr wenige Diskussionen, zumal diese, innerhalb der westlichen Philosophie, schon an der Problematik der historischen Verwurzelung westlicher Denktraditionen im Kolonialismus scheitern.
Fürth, den 28.10.2023


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