Es ist schwierig in der Philosophie vom modernen Wissen über das Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie zu sprechen. Beide Begriffe werden aktuell kontrovers diskutiert. Innerhalb der Begriffe werden sie wissenschaftlich unterschiedlich verstanden. In ihren inhärenten Forderungen gibt es große Spannungen. Damit unterliegen beide einer dynamischen Entwicklung ihrer Begrifflichkeiten und weisen auf ein erwartbar geschichtlich verändertes Bewusstsein der Begriffe hin. Sie sind nicht einfach zu fassen.
Kapitalismus verspricht Wohlstand für alle und basiert auf einem hierarchisch aufgebauten sozialen Konzept der transparenten Konkurrenz mit geringen Vertrauenswerten zur Erhöhung der sozialen Effektivität. Wohlstand für alle bedeutet auch, dass es arme Verlierer gibt und sehr reiche Gewinner. Demokratie verspricht, dass die Meinung von jedem angehört wird, ausgesprochen werden kann und etwas bewirkt. Gleichzeitig ist klar, dass nicht jede Meinung gleich viel Einfluß gewinnt und dass die kapitalistische Hierarchie die Meinungsbildung verzerrt. In Krisenzeiten, wo der Wohlstand oder die nationale Kultur in Gefahr ist, werden wirtschaftliche oder soziale Regeln ausser Kraft gesetzt, um Wirtschaft und Staat zu stabilisieren. Gleichzeitig werden die negativen Seiten des Kapitalismus sichtbarer und die Menschen verändern in ihrer Existenzangst die Regeln demokratischer Prozesse hin zu mehr vermeintlichen individuellem Vertrauen.
Aus den oben genannten Gründen gibt es kein modernes Wissen des Zusammenhangs von Kapitalismus und Demokratie. Ich kann hier nur das zusammentragen, was bisher darüber geschrieben wurde und in einem wirtschaftssoziologischen Rahmen erzählen.
Während auf den ersten Blick, der Kapitalismus als Privatbesitz von Produktionsmitteln und die Demokratie als eine gemeinsame Herrschafts- und Willensbildung der Mitglieder einer Nation wenig miteinander zu tun haben, fällt auf, dass funktionierender Kapitalismus und funktionierende demokratisch, politische Willensbildung in Staaten fast immer zusammen auftritt. Wobei deren Ausprägungen unterschiedlich sind. Ich möchte hier untersuchen, wo der Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Demokratie liegt. Da beide Begriffe kontrovers diskutiert werden und die Motivatoren darin eine Untersuchung erschweren, werde ich weit zurückgehen und mich versuchen von diesen Begriffen zu distanzieren. Die Begründung dazu erfolg später. Ich beziehe mich hier auf Boltanski/Chiapello, sowie Mouffe und Gramsci. Wichtig ist auch, auf das Auseinanderdriften der unterschiedlichen politischen Meinungen einzugehen.
Kapitalismus lässt sich nicht von den wirtschaftlichen Zusammenhängen trennen. Kapitalismus lässt sich nicht einfach über Besitz-, Ausbeutungs- oder Machtverhältnisse definieren. Die Kapitalismusforschung ist eingeschränkt, weil der Kapitalismus als interdisziplinäres Phänomen durch ausdifferenzierte Wissenschaften unter kapitalistischem Systembezug untersucht wird. Neuere Analysen der Wirtschaftssoziologie fehlen genauso, wie wirtschaftspolitische Analysen, gerade unter den modernen Gesichtspunkten wie: Kolonialisierung, Herrschaftsdiskurse, Systemtheorie oder Neuropsychologie. Wissenschaftliche Untersuchungen der Wirtschaftsstruktur leiden darunter, dass ihr Objekt den integrale Baustein ihres eigenen wissenschaftlich, sozialen Raumes darstellt und damit sich der Untersuchung weitgehend entzieht.
Kapitalismus ist ein soziales System, welches ältere Wirtschaftssysteme ersetzte und in allen Lebensbereichen Veränderungen herbeigeführt hat. Wirtschaftssysteme sind Kommunikationssysteme, die den Handel mit Ressourcen betreffen. Es geht um die Grundlage des sozialen Lebens von Menschen. Ohne die Verwertung und den Aufbau von Ressourcen ist eine soziale Gemeinschaft nicht lebensfähig. Ressourcen sind Nahrungsmittel, Werkzeuge, Netzwerke und Informationen. Die sozialen Regeln einer Gemeinschaft basieren auf Normen, Werten, Habitus und Rollen. Der Mensch hat durch seine Merkfähigkeit und sein Vorstellungsvermögen dafür gesorgt, dass sein Sozialverhalten sich selbst evolutionär in selbstständigen Organisationsstrukturen weiterentwickelt. Die sozialen Regeln werden von Individuen als dissipative Muster der Kommunikation, über Objektivierung und Subjektivierung erschaffen und bestimmen die Lebensfähigkeit der sozialen Gemeinschaft. d.h. der Kapitalismus als Wirtschaftssystem bezieht sich auf jede Ebene des menschlichen Lebens und bestimmt die Lebensfähigkeit des sozialen Raumes eines Menschen. Und damit auch über Motivatoren den starken Überlebenswillen jedes Einzelnen. Das ist der Grund warum die Diskussionen so hart erfolgen können und dass starke Motivatoren an die kapitalistische und demokratische Sprache gebunden sind, was bis zur strukturellen Auslöschung von Klassen und internationalen Kriegen führen kann. Es geht um die Struktur der Ressourcenbeschaffung des sozialen Handelns.
Die soziale Struktur des Handelns im Kapitalismus besteht aus folgenden Teilen, die in den vorherigen Wirtschaftssystemen nicht zu finden sind und direkt im Kapitalismus entstanden sind. Es sind keineswegs einzelne soziale Neuerungen unabhängig vom Kapitalismus. Sondern sie gehören inhaltlich zur Struktur des Kapitalismus, weil sie ohne das neue Wirtschaftssystem nicht entstanden wären: (Bezüge in Klammern)
- Erschaffen von Technik, Aufbau von Organisationen, Erfinden von sozialen und technischen Innovationen (Luhmann, Werner Rammert, Simondon, Heidegger, Ulrich Beck, Yuk Hui)
- Neue hierarchische Strukturen aufgrund von Privatbesitz, Finanz und Informationsbesitz, Abkehr vom Feudalismus (Marx, Polanyi, Pareto, Amartya Kumar Sen)
- Demokratische Willensbildung, Abkehr von Merkantilismus und Absolutismus (Mill, Weber, Polanyi, Habermas, Ingeborg Maus)
- Globaler und internationaler Handel, Marketing, Marktkompetenz, Entrepreneurtum, Abkehr vom stationären, städtischen Markt (Schumpeter, Bourdieu, Gurminda K. Bhambra)
- Ausbildung von Konkurrenzmärkten, schwacher Vertrauenskontrakte und darauf folgend Markt- und Preistransparenz (Smith, Friedman, Polanyi, Bourdieu)
- Ausbildung eines Marktes der Ungleichheit, der den Arbeitsbegriff und die Rolle des Arbeiters neu definiert, Abkehr vom Feudalismus (Marx, Gramsci, Piketty, Ricardo, Anthony Laden)
- Ausbildung von marktumspannende Institutionen und politische Regularien, sowie neue Bildungssysteme (Ricardo, Weber, Keynes, Lyotard, Habermas, Luhmann)
- Ausbildung neuer symbolischer Kapitalformen, Abkehr von familiären oder landbezogenen symbolischen Kapitalformen (von Mises, Keynes, Bourdieu, Simmel, Polanyi)
- Ausbildung eigener internationaler Handelskommunikation, unabhängig von nationaler Kommunikation (Keynes, Polanyi, Friedman, Amartya Kumar Sen, Gurminder K. Bhanmbra, Adom Getachew)
- Ausbildung neuer sozialer Rollen, individueller Persönlichkeit und Habitus. Prädestination (Vorherbestimmung) als Hierarchisierung und Vorstufe der Romantischen Identifikation, dass das Bewusstsein des modernen Menschen bestimmt. (Nitzsche, Weber, Bourdieu, Simmel, Fanon, Foucault)
- Fortwährende Kritik als eingebaute Innovation im Wirtschaftssystem (Hegel, Boltanski/Chiapello, Luhmann, Derrida)
- Ausbildung eines sozialen Materialismus im Geist des Kapitalismus (Marx, Weber, Simmel, Marcuse)
- Erhöhung des Tempos der sozialen Differenzierung und Spezialisierung (Schumpeter, Luhmann, Werner Rammert, Ulrich Beck)
- Erweitertes Bevölkerungswachstum, Erhöhung von Wohlstand und Gesundheitsversorgung, Ausbildung neuer Begriffe von Evolution, Wachstum und Genese (Smith, Darwin, Nietzsche, Piketty, Amartya Kumar Sen, Dirk Becker, Parsons).
Nach Auflistung der kapitalistischen sozialen Errungenschaften wird klar, dass Kapitalismuskritik nur einzelne Probleme angreift, aber nicht den Kapitalismus als Basis abschaffen kann. Es wird klar, dass der in der Kapitalismuskritik verwendete Begriff des Kapitalismus nur einen kleinen Teil des Kapitalismus abbildet. Die Kritik des Kapitalismus ist ein Kampfbegriff der Abschaffung einzelner negativen Auswirkungen. Gleichzeitig wird offensichtlich, dass die Kritik des Kapitalismus ein integraler Bestandteil des Kapitalismus ist. In der verstärkten Ausdifferenzierung der Normen, Werte und Organisationen muss die Handlungsfähigkeit der in den Marktsituationen handelnden Individuen, durch Dekonstruktion der Handlungsebenen, zur Stabilisierung erhalten bleiben. Die inhärente Kritik des Kapitalismus ist im Kapitalismus ein Stabilisierungsinstrument innerhalb großer, fortlaufend in Bewegung befindlicher sozialer Strukturen. Kapitalismuskritik ist die ideologisch geprägte kommunikative Rückkopplung des Handlungs- und Versorgungssystems der Gesellschaft, in Selbstbeobachtung auf sich selbst. Ohne die Rückkopplung würden die dynamischen Veränderungen des Wirtschaftssystems die Versorgung der sozialen Gemeinschaften durch den Handel mit Ressourcen erstarren lassen. Der Kapitalismus als nicht veränderbare Norm, würde sich selber abschaffen. Der Kapitalismus ist ein dynamisch, rückgekoppeltes soziales System der Versorgung ihrer Mitglieder mit lebenswichtigen Ressourcen, welches auf das Selbstverständnis und Bewusstsein ihrer Mitglieder und Organisationen zurückwirkt. Es unterscheidet sich von den anderen Wirtschaftssystemen durch seine Dynamik, der Ausdifferenziertheit von Technik und sozialen Strukturen, sowie deren Ausbreitungsgeschwindigkeit und dem Versorgungsgrad ihrer Mitglieder. Eine Besonderheit des Kapitalismus ist die logische Ausdifferenzierung der Wirtschaft als eigenes rationales, soziales Subsystem der Kommunikation über Ressourcen, zur Erreichung einer höheren Effektivität der Ressourcengenerierung. Ein weiteres Merkmal des Kapitalismus ist die Ausbildung langer Handlungsketten als evolutionärer Akt zur Rationalisierung und Differenzierung sozialer Räume, in Bürokratie. Der Kapitalismus hat sich gegenüber den anderen Wirtschaftssystemen herausdifferenziert und durchgesetzt.
Die Ausbildung demokratischer Willensbildung ist mit dem Übergang zum kapitalistischen Wirtschaftssystem verbunden. Demokratische Herrschafts- und Willensbildung ist eine inhärente Ausprägung des kapitalistischen Wirtschaftssystems zur Anpassung ihrer Mitglieder und Begrenzung der Wirtschaftsdynamik.
Bei den Wirtschaftssystemen, vom Feudalismus über Merkantilismus und der Industrialisierung zum Kapitalismus kam es zu starken Verschiebungen der sozialen Rollen und deren Bezug zur Akkumulation und Handel mit Ressourcen. Die Auswirkungen waren sozial tiefgreifend, so dass sie auch heute noch die Richtungen innerhalb der politischen Diskussionen bestimmen. Moderne politische Diskussionen, Nationen und wirtschaftliche Regeln sind historisch vorgegeben und trotz der Dynamik in ihrer Richtung erhalten geblieben. Als Beispiel mag hier Globalisierung, Dekolonalisierung oder Faschismus und Populismus dienen. Das sind keine neuen Phänomene.
Die Schritte zur Marktwirtschaft innerhalb sozialer Gemeinschaften werden unten in historischer Reihenfolge aufgelistet. In jedem Schritt verändern sich die sozialen Hierarchien, der Ausspruch des menschliche Bewusstseins und menschliche Handlungsreihen. Soziale Prozesse differenzieren sich weiter aus. Die Grundlagen der Hierarchien sind die Verteilung der Rollen in der sozialen Objektivierung (Luhmann). Die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins basiert auf dem Aufbau des menschlichen Gehirns und der Struktur des sozialen Raumes (Freud, Gerhard Roth, Parsons, Bourdieu). Die soziale Ausdifferenzierung entsteht durch dissipative Muster innerhalb der Kommunikation der mit der Sprache verbundenen sozialen Lebensgemeinschaft (Ilia Prigogine, Luhmann, Bourdieu, Derrida). Gleichzeitig ist mir natürlich bewusst, dass das eine vereinfachte Darstellung ist.
- Erkenntnis der Gleichartigkeit von Menschen. Jagd, Aufbau sozialer Lebensgemeinschaften
- Erkenntnis der Gleichartigkeit von Gegenständen durch soziale Kommunikation (J.Jaynes)
- Sammeln
- Aufbau von Ressourcen
- Gemeinsames Lagern von Ressourcen
- Bildung von Rollen
- Erkenntnis der Gleichartigkeit von Menschen zwischen denSiedlungen. Abbildung von Haus, Land und Mensch als soziale Struktur. Ausbildung eines Marktes zwischen den sozialen Strukturen verbunden mit Feiern zur Entschärfung der Ressourceninteressen der Siedlungen. Entwicklung des sozialen Handelsvertrauens. Entwicklung der Städte aus regionalen Märkten
- Tausch von Waren
- Tausch von Rollen gegen Ernährung
- Entwicklung der Redistribution
- Aufbau von Hierarchien
- Einbau der Drogen als Element sozialer Vertrauensbildung
- Erkenntnis der Gleichartigkeit von Strukturen zwischen den Städten durch die Bürger zur Risikominimierung und ritualisierte Konfliktvermeidung der Ressourceninteressen. Ausbildung von Nationen und Handelsgesellschaften
- Handel von Waren gegen Gewinn
- Handwerker- und Armenordnung
- Aufbau globaler Handelswege
- Aufbau von Märkten
- Technischer Fortschritt
- Kolonialisierung zur Ansammlung von Ressourcen
- Erkenntnis der Gleichartigkeit von Waren und Aufbau der Industrialisierung auf dem Land. Der Merkantilismus öffnet innere Märkte, der Kolonialismus die äußere Märkte zum Handel der Ressourcen.
- Aufbau von Manufakturen
- Aufbau von Produktionsfaktoren und Abbau der Struktur von Haus, Land und Mensch.
- Politische Regelung zur Arbeit, dem Landbesitz und Geldverkehr, da diese nicht marktfähig sind und nicht produzierbar. Übergang zur Produktion von Arbeit, Boden und Geld als Produktionsmittel. (Polanyi)
- Individualisierung des menschlichen Bewusstseins infolge der Entfeudalisierung und Produktion der Arbeit (Weber)
- Demokratisierung als Gegengewicht negativer marktwirtschaftlichen Prozesse der Ressourcenverteilung von Arbeit, Boden und Geld. Entwicklung von Gewerkschaften, Sozialgesetzgebung, Entfeudalisierung der Landverteilung, sowie Entwicklung neuer nationaler Kapitalsicherungen z.B. Goldreserven, Währungsreserven, Zentralbanken (Smith)
- Erkenntnis der Gleichartigkeit von Gewinn im Kapitalismus
- Staatliche Notenbanken zur Währungsstabilisierung und Handelsausgleich, Überwachung der Geldmenge (Keynes)
- Aufbau von internationalen Währungssystemen
- Aufbau von Währungshandel
- Dekolonisierung des Handels (Friedman)
- Durchsetzen des freien internationalen Währungsverkehrs mit militärischen Mitteln.
- Kolonialisierung der Produktionsmittel
Der aufkommende Kapitalismus in England mit der veränderten sozialen Bewertung von Arbeit, Grund, Boden und Geld benötigt einen auf der individuellen Freiheit fussenden Staat zur Einschränkung der negativen Auswirkungen des Kapitalismus. Freier Waren- und Geldfluss allein würde die soziale Ressourcengenerierung in ihrer Struktur durch Zerstörung von sozialem Vertrauen auflösen. Die durch die Kolonialisierung vorbereitete hohe Geldmenge im Umlauf, die durch die Kolonialwaren in Konkurrenzdruck geratene heimische Warenproduktion, die heimische Überproduktion zum Handel mit den Kolonien, die durch die Kolonisierung geschaffene Sicht der Sklavenarbeiter als Produktionsfaktoren, sowie der durch die bessere Gesundheitsversorgung geschaffene Überhang von Arbeitskräften, ermöglichten den Aufbau von Industriebetrieben auf dem Land, deren Boden durch Bodenreformen verfügbar war (Gurminda K. Bhambra, Polany). Durch die schlechten Arbeitsbedingungen der ersten Industriebetriebe kam es in sehr kurzer Zeit zu Arbeitsrevolutionen in den Ländern. Die durchschnittliche Lebenserwartung sank z.B. in einige Städten Englands auf 15-17 Jahre. Gleichzeitig sahen sich die Landbesitzer und die Besitzer der Produktionsmittel in Gefahr. Es kam zu den ersten Sozialgesetzen der Arbeiter, Verschiebung von Landbesitz und Bestärkung der Rechte von Besitzern der Produktionsmittel.
Die Demokratisierung der nationalen Gesellschaft, ist eine auf die negativen Entwicklungen der Industrialisierung bezogene Reaktion zur Stabilisierung des aufkommenden kapitalistischen Wirtschaftssystems. Arbeitskräfte wurden frei, durch die Bauernbefreiung in der Entfeudalisierung, die Änderung der Heim- und Verlagsarbeit, sowie der Freisetzung der Gewerbefreiheit in der Aufgabe der Ständegesellschaft. Die Wurzeln der sozialen und technischen Entwicklung des Kapitalismus sind die Entfeudalisierung und Säkularisierung, sowie die Entwicklung des individuellen Freiheitsbegriffs durch die Aufklärung. Der Freiheitsbegriff der Aufklärung ist eine Reaktion auf die aufkommenden individuellen Möglichkeiten der Industrialisierung. Die Demokratisierung der Gesellschaft ist eine Stabilisierungsfunktion der höheren Ausdifferenzierung eines Wirtschaftssystems, welches die Kommunikation über die sozialen Ressourcen verbessert. Ohne Demokratie würde die freie Wirtschaftsordnung ihre sozialen Grundlagen zerstören, weil innerhalb der Kommunikation des Marktes kein Vertrauen möglich ist. Ein Hauptaspekt der Industrialisierung ist, dass die Hierarchie des Glaubens durch den Konsum der Bürger ersetzt wird. Soziale Systeme stabilisieren sich selbst durch Kommunikation und Rollen. Um das Vertrauen auf dem großen Markt der sozialen Gesellschaft zu erhalten, wird die Rolle des mündigen Bürgers erschaffen. Ein Medium ist ein objektiviertes Vertrauensverhältnis. Ein Vertrauensverhältnis ist objektivierter Motivator für Entscheidungen im sozialen Raum. Somit ist der Markt ein kommunikatives Medium für Ressourcen. Der Kapitalismus entstand so an der Schnittstelle zwischen Handeln, Arbeit und Individualismus. Wirtschaftliche Handlungen im Kapitalismus können im System schlecht vorhergesagt werden, da jede Handlung einen systemimmanenten, sowie individualistischen Anteil trägt. Jede Kommunikation besteht so aus 8 Teilen: dem Individuum, der Aussage des Individuums, der Kommunikation des Individuums und dem Zuhörer des Individuums. Gleiches gilt für die Kommunikation des Systems, in dem das Individuum lebt. So ist jede Erzählung und Rationalisierung kompliziert und nicht vollständig operationalisierbar Erzählungen sind grundsätzlich immanent mit dem Wirtschaftssystem verbunden Das Wirtschaftssystem innerhalb des sozialen Raumes kann nicht verlassen werden und Aussagen über den Kapitalismus sind daher nur kurzfristig in die Zukunft möglich. Die Wirtschaftswissenschaften sind sich dieser Einschränkung bewusst und verlassen ihren Bereich kaum, da dies ihrer Rationalität und Anerkennung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zuwiderläuft.
Die Fragen, die im Aufbau eines demokratischen Selbstverständnisses offenbart wurden, sind: Wie kann mit allgemeiner Armut und Ungleichheit, sowie mit Hierarchien in der Gesellschaft umgegangen werden? Im Kapitalismus wird die Hierarchie über Landbesitz und damit Besitz der bodenbezogenen Ressourcen zur Nahrungsmittelproduktion, zur einer Hierarchie im Arbeitsprozess umgewandelt. Der abhängige Untergeordnete wird durch den selbstständigen Bürger ersetzt. Die soziale Kommunikation änderte sich vom Herrschaftssystem zum Marktsystem. Damit sind gleichzeitig die schützenden sozialen Regelungen der Land- und Stadtbevölkerung, z.B. Versorgung bei Alter und Krankheit, Schwangerschaft, Schutz der Kinder usw. verschwunden. Die gemeinsame Ressourcenproblematik der Industriearbeiter, das Bewusstsein ein freier Bürger zu sein, sowie die fehlenden Regeln zum Schutz ihres Lebens, führen zum gemeinsamen Bewusstsein einer Arbeiterklasse. Gewerkschaften bilden sich und setzten in blutiger Auseinandersetzung Gesetze durch. In der Industrialisierung spielt die Evolution der Sozialtechniken, z.B. die Entdeckung der Gesellschaft, des freien Individuums und der Marktwirtschaft eine genauso große Rolle, wie die der Ingenieursleistungen der Technik. Die Marktwirtschaft und Demokratie als Sozialtechniken sind Ergebnisse der Gegenbewegung zur Aufklärung, weil sie versuchen die Nachteile der Aufklärung, eine Rationalisierung des Bewusstseins, im neuen Wirtschaftssystem zu verringern. Klassenaufstände setzen Emotionen frei. Die Dialektik der Aufklärung im Sinne der Aufklärung ist ein Rückschritt hinter die Demokratisierung.
Das Problem von Marx in seinen Interpretationen des Kapitalismus ist, dass er gesellschaftliche Veränderungen mit den naturalistischen Bedingungen in einer Evolution der Arbeiterklasse und der Produktionsarbeit des Kapitalismus erklärt, anstatt den Kapitalismus als Ganzes in seiner dynamisch, demokratischen Bewegung zu sehen. Der Aufruf zur Revolution versucht dann seine fehlerhafte Vorbedingung zu umgehen. Die kommunistische Revolution erfolgt, folgerichtig, daher in einem vorindustriellen Land, da die Industriegesellschaften schon ihre eigenen kapitalistischen Bedingungen verändert haben. Auch in der kommunistischen Revolution wurden Boden, Arbeit und Geld umdefiniert und in einer Hierarchie verbunden, was gleichermassen, wie im Kapitalismus, zu negativen Auswirkungen führte und auch weiterhin führt. Der Kommunismus ist in seinem Bemühen die negativen Auswirkungen der Ressourcenumstrukturierung zu umgehen, das einzige Aushängeschild, was ausserhalb des Kapitalismus existiert, um andere Wege im Umgang mit den negativen Auswirkungen des Kapitalismus aufzuzeigen. Was auch das weitere Vorhandensein kommunistischen Strömungen in kapitalistischen Gesellschaften erklärt. Es wird weiterhin nach Auswegen gesucht. Sozialismus ist die gesellschaftliche Tendenz der Industriegesellschaft zur Demokratie der Arbeiter, um die negativen Auswirkungen des Kapitalismus für die Arbeiter zu umgehen. Was die politische Betonung der Arbeiter in der sozialen Marktwirtschaft erklärt.
Die Diskussionen des Umgangs mit den negativen Auswirkungen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung führen zu politischen Strömungen in der Gesellschaft. Das Credo des Liberalismus ist das freie Individuum in einer freien marktwirtschaftlichen Ordnung, unter dem Glaubenssatz, dass der Markt selbstständig alle Probleme regelt. Ein Glaube an die Selbstorganisation des freien Handels. Um das Credo durchzusetzen müssen wirtschaftliche Beschränkungen auferlegt werden. Diese führen im weiteren zum Einschränken des Weltmarktes, um den nationalen Markt zu schützen, zu staatlich verordneten Handelsrestriktionen, zu höherer Bürokratie und Einschränkung des Wissenserwerbs in der Bildung (Lyotard, Foucault, „Handmaid’s Tale“). Liberalismus ist auch eine Klassenfunktion.
Klassen sind die gemeinsame Wahrnehmung von Ressourcenproblemen durch Individuen im Markt als Kommunikationsmedium und Ausdruck von Hierarchien oder Herrschaftsbeziehungen. Es sind soziale Cluster gemeinsamer Ressourceninteressen. Einen freien Markt mit freien Bürgern kann nur derjenige fordern, der die Freiheit besitzt, die Ressourcen darin zu verarbeiten und zu sammeln. Liberalismus, Humanismus und aufklärerischer Rationalismus unterliegen dem gleichen Problematik des Freiheitsbegriffs. Es ist in Wirklichkeit eine klassenbezogene Einschränkung mit sozial durchgesetzten Regeln.
Klassen entstehen aus dem praktischen Verständnis sozialer Probleme heraus, ohne die dahinter liegenden sozialen Strömungen zu kennen. Da Klassen auf Ressourcen bezogene soziale Cluster sind, sind Klasseninteressen ziel-, nicht erfolgsorientiert. Die dynamischen Bewegungen einer Gesellschaft erlauben keine Erfolgsgarantie. Der soziale Cluster benötigt aber eine Ziel um sich zu organisieren, so dass nur eine Zielorientierung möglich ist, auch wenn die Argumentation in der Klasse sich um den Erfolg ihrer Bemühungen dreht. Die Paradoxie der vorhanden Interessen und die Struktur ihrer Ressourcengenerierung verhindern das. Das hierarchische System des Feudalismus wird durch die Industrialisierung und Marktwirtschaft zum Klassensystem. Klassenkonflikte darin entstehen durch den Zerfall eines unterlegenen kulturellen Systems. Klassenrevolutionen dienen dem Schutz sozialer, bestehender Strukturen (Polayi). Klassenunterschiede sind durch kulturelle Grenzen gezeichnet (Bourdieu). Die Gleichheit von Klasse und Rasse entsteht durch das Vorhandensein von sozialen Schranken. Freiheit und Unfreiheit sind kulturelle Begriffe und werden durch sozialen Schranken gesetzt (Linda Martín Alcoff). Die Klassenproblematik hat so eine sehr große Nähe zur Rassenproblematik (Linda Martín Alcoff, Gurminder K. Bhambra). Arbeit ist eine kulturelle Tätigkeit, keine marktwirtschaftliche Tätigkeit. Die industrielle Revolution ist eine kulturelle Revolution der Verwendung organisierter Arbeitskraft mit der Zerstörung feudaler sozialer Strukturen. Demokratie war in England erst möglich, als die Arbeiterklasse die kapitalistische Wirtschaft anerkannte und die Gewerkschaften für eine reibungslose Industrie einstanden (Polanyi). Der andauernde Kampf der Arbeiter um ihre Rechte gegen die feudalen Institutionen führte zum Klassenbewusstsein und ist eine Kulturleistung. Sozialgesetzgebung, Arbeitsschutz, Arbeitslosenversicherung und Gewerkschaften ermöglichten erst den Mark der Arbeit. Das Klassenbewusstsein der Arbeiter ist eine Bedingung des Übergangs von der Industrialisierung zum Kapitalismus.
Die politischen Bewegungen eines konservativen oder klassenkämpferischen Hintergrunds entstehen aufgrund sozialer Umstrukturierungen der Ressourcenverteilungsinteressen und Organisationen in einer Marktdynamik. Die Interessen darin sind austauschbar, da es nur gegen oder für Änderungen geht und zu einer Parteienbildung führt. Das bedeutet, dass die Ziele einer linken oder rechten politischen Bewegung im geschichtlichen Verlauf wechseln und nicht einwandfrei zugeordnet werden können, weil die Struktur des Kapitalismus und der Demokratie in Bewegung sind. Die Kompensation der Nichtbeweglichkeit des Bodens, in der Entfeudalisierung, durch Handel mit landwirtschaftlichen Gütern ist der Grund des globalen Handels und der der Kolonisationsbewegung. Den sozialen Umwälzungen der marktwirtschaftlichen Innovationen von Land, Arbeit und Geld stehen feudale Stände, kapitalistische Klassen und die politische Bewegungen der Geldpolitik, Liberalismus und New Deal entgegen. Den Klassen geht es um die Ressourcenverteilung. Klassen sind soziale Einflussgruppen gemeinsamer Ressourcenakkumulation. Die Demokratie dient der sozialen Stabilisierung der Marktwirtschaft der Ressourcen, durch Verringerung gesellschaftlicher, klassentypischer Angstzustände und durch eine Erhöhung des für den Handel notwendigen Vertrauensvorschusses. Geld als bloßes Mittel der Kaufkraft zu verwenden, ohne es als Ware anzusehen, zerstört die sozialen Hintergründe der globalen Marktwirtschaft und des Vertrauens in den Handel. Geld als Kaufkraft führt zur staatlichem Kontrolle der nationalen Notenbank, um globale Schwankungen auszugleichen. Gleichzeitig führt das innerstaatlich zu Klassenkonflikten, weil die Steuerung in ihrer Richtung politisch motiviert ist. Freihandel und soziale Schutzbestrebungen widersprechen sich, so das die politische Willensbildung beides verbinden muss. Demokratie wirkt der Klassenbildung entgegen. Ursache des Faschismus ist die langwährende Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen verbunden mit kurzfristigen politischen Versprechungen, indem die Arbeiterklasse sich bei instabiler Wirtschaft der bodenbesitzenden Klassen nicht mehr entgegenstellt, sondern auf ihre Argumente eingeht, um Vertrauen zu erwirtschaften. In der modernen Zeit ist die Klassenzugehörigkeit und die politische Richtung aufgrund der Dynamik der sozialen Ausdifferenzierung kaum noch mit den Zeiten der Industrialisierung zu vergleichen. Die Zuordnung der nichtbeweglichen Ressourcen Boden, Arbeit, Geld und Information folgt einer anderen Logik. Beim Boden geht es heute um Naturschutz und Nachhaltigkeit. Die Arbeiterklasse ist als Ressource von Angestelltenorganisationen aufgesaugt worden und hat sich in den Ressourcenproblematiken der Organisationen ausdifferenziert, so dass sie kaum noch als Klasse ausmachbar ist und durchaus nicht mehr sozialistischen, sondern auch liberalen Ideen offen gegenüber steht. Geld und Informationen bedingen sich gegenseitig und sorgen für eine weitere Hierarchisierung der Gesellschaft zur Wissensgesellschaft und zur Entdemokratisierung in dem der Klassenzusammenhalt bewusst den Abstand zu anderen Klassen vergrößert (Bourdieu).
Der Kapitalismus ist eine soziale Strömung, in deren Verlauf die soziale Struktur unter der Maßgabe einer Marktutopie drastisch verändert wurde. In Wirklichkeit wurden die sozialen Regeln über Boden, Arbeit und Geld komplett verändert und in neue soziale Strukturen gegossen, sowie Politik und Wirtschaft getrennt, um die Fiktion einer Marktwirtschaft zu erhalten. Die soziale Struktur und deren Ideale z.B. im Liberalismus sind getrennte Mechanismen. Liberalismus, Demokratie und soziale Marktwirtschaft dienen der Steuerung der Marktwirtschaft. Kapitalismus ist immer ein demokratisch gesteuerter Markt. Die Trennung von Markt und Politik hat ihre Wurzel im Demokratieverständnis, welches die Vermarktung der Arbeit erfordert. Bei dem neuen System der kapitalistischen Marktwirtschaft ist es wichtig welche Verantwortung welche Rollen übernommen haben, d.h. wer die politische Verantwortung für Land, Arbeit und Kapital übernimmt. Die Marktwirtschaft ist ein neues Verständnis der Verteilung von Ressourcen im sozialen Raum als gemeinsame Tätigkeit der Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft. Die Gewaltentrennung ist eine direkte Folge der Trennung von Boden, Arbeit und Geld. Daraus entstand Wirtschaft, Politik und Justiz. Auch auf dem Markt des Bodens, der Arbeit und des Geldes entwickelte sich eine neue Hierarchie. Fällt die Sicherheit der Gewaltenteilung und entwickeln sich wirtschaftliche Krisen, regiert der Populismus als Spielart des Faschismus um den verlorenen Vertrauensvorschuss des Marktes der Arbeiter in der Demokratie wieder zu gewinnen. Der Faschismus ist der Alternativentwurf zur Angst vor der zerstörenden Dynamik der Marktwirtschaft und steht damit dem Sozialismus nahe. Das Spezifische der Marktwirtschaft ist ihr Rückgriff auf die Individualität und Selbstorganisation des Marktes und dessen soziale Umstrukturierungen. Das Marktgeschehen entreißt dem Einzelnen die Kontrolle und macht ihn anfällig für den Markt zerstörende Ideen. In der Industrialisierung erkannten die Menschen, dass Arbeit und Kapital über den Markt verbunden waren. Die Arbeiterklasse fühlte sich persönlich angegriffen. So wurde Kapitalismus Verheißung wie Schimpfwort. Freiheit des Einzelnen in der Demokratie bedeutet nicht Individualität, sondern Freiheit vor den marktwirtschaftlichen Auswüchsen. Die Marktwirtschaft erzeugt eine Paradoxie von Freiheit und Individualismus, der Freiheit der Person und der Freiheit von Regeln, welches zwischen regelgeleiteter Demokratie und Liberalismus oder Faschismus stehen. Die Lösung des Freiheitsbegriffs für den Liberalismus ist die Freiheit des Unternehmertums, die des Faschismus ist nur ein Freiheitsversprechen für den Einzelnen, was nicht eingelöst werden kann, sondern nur Hierarchie und feste Regeln bedeutet. Regeln, die auch Sicherheit für die faschistischen Klassen bedeuten. Die Freiheitsparadoxie des Faschismus macht ihn um so gefährlicher, weil sein Einlösen nur mit der gewalttätigen Einschränkung der Freiheit anderer geschehen kann (Horkheimer, Adorno) d.h. der Faschismus ist anfällig für die Trennung von Klassen- und Rassenunterschiede. Es wird ein Schuldiger gesucht.
Die vorhergehenden Argumente haben sich hauptsächlich auf den Begriff Kapitalismus und dessen Geschichte als soziale Struktur und modernes Wirtschaftssystem bezogen. Für die Auswirkungen der Demokratie verweise ich auf meine Ausführen über Gerechtigkeit, wo ich auf (Habermas, Maus, Mouffe, Rawls, Haslanger, Alcoff, Allen..) eingehe.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Ausbildung von Demokratien, zwischen repräsentativer Demokratie mit ihren Ausprägungen präsidentieller und parlamentarischer Art und direkter Demokratien, ein integraler Bestandteil der Struktur des Kapitalismus ist. Es spielt dabei keine Rolle, ob das Wirtschaftssystem eher in Richtung freier Markt oder sozialer Marktwirtschaft geht. Die Werte, Normen und Regelungen zur Einschränkung der negativen Auswirkungen des Kapitalismus sind in alle Staaten vorhanden und in der nationalen Kultur integriert. Die Probleme der virtuellen Ressourcen Boden, Arbeit, Geld und Information werden national unterschiedlich gelöst.
Zweitens fällt auf, dass in allen Wirtschaftssystemen die Struktur des Vertrauens im sozialen Raum auf den Handel, zur Versorgung mit Ressourcen, essentiell in die Kommunikation der Individuen eingebunden ist. Das Vertrauen in Geschäfte und den Markt ist letztendlich die Basis des individuellen Handelns und Basis der kommunikativen Motivatoren. Motivatoren, die sich in die sozialen Systeme der Moral, Werte, Rollen und Organisationen integrieren und das Verhalten der Individuen innerhalb der Steuerung der sozialen Systemen regeln. Vertrauen ist das bindende Glied im sozialen System, das die Ressourcenbeschaffung des sozialen Systems steuert. Vertrauen, das genauso in betriebswirtschaftliche Abläufe einstreut, wie politische Strömungen als Reaktion der Ressourcenprobleme von hierarchischen Klassen bildet.
Drittens wird sichtbar, dass die Ausdifferenzierung einer sozialen Gesellschaft nicht ohne horizontale Ausdifferenzierung stattfinden kann. Jedwedes soziales System erschafft Hierarchien, was das Angehen der Klassenproblematik unmöglich macht. Es wird immer politische Richtungen geben, deren Klassen ihr Ressourcenaufbringen vordringlich betrachten. Was letztendlich auch eine Argumentation für Sozialismus und Kommunismus ist, da diese auch ihre Klassen vertreten. Eine Gesellschaft kann aber nur dann vernünftig für ihre Mitglieder existieren, wenn alle politischen Richtungen in einer demokratischen Willensbildung vertreten sind.
Die Frage ist nun, welche Auswirkungen die Darlegungen auf die Sichtweise von Kapitalismus und Demokratie haben und wie diese unter philosophischer und ethischer Sicht zu bewerten sind. Ein wichtiger Punkt ist hier, dass der Kapitalismus aus eigenen Regeln und Normen besteht, die nicht einfach geändert werden können, ohne die soziale Ressourcenbeschaffung zu zerstören. Was die Basis alles menschlichen Lebens darstellt. Ich verweise hier nur auf wirtschaftliche Revolutionen z.B. in China (Kulturrevolution), Russland (Novemberrevolution), Lateinamerika (Monroe Doktrin) oder auf die Zeit der Industrialisierung in England und das Ändern der Wirtschaftssysteme der Ureinwohner in Nordamerika oder Australien. Das Ändern von Wirtschaftssystemen tötet ihre Mitglieder.
Gleichermassen muss gefragt werden, wie mit nichtdemokratischen Staaten umzugehen ist. Haben demokratische Staaten das Recht anderen Staaten ihr politisches System aufzudrängen? Es kann garnicht um die Demokratie gehen, sondern das Ausweiten demokratischer Systeme hat wirtschaftliche Gründe. Durch die Rekolonalisierungsbestrebungen der globalen Wirtschaft wird es vielen Entwicklungs- und Schwellenländern unmöglich gemacht, sich wirtschaftlich so weit zu entwickeln, dass eine demokratische Willensbildung gebildet werden kann. Gleiches gilt für arabische Länder. Es ist kein Kulturkampf, sondern es geht um wirtschaftliche Einschränkungen zur Erhaltung des Wirtschaftsproduktes der Industrieländer. Die Migrationsbewegungen sind die Reaktion der betroffenen sozialen Räume der Entwicklungsländer auf unterschiedliche Systeme der Ressourcenakkumulation. Die Migrationsbewegungen hören nur dann auf, wenn den betroffenen Ländern erlaubt wird, sich wirtschaftlich zu entwickeln. Was gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung der Industrienationen in ihrer spätkolonialistischen Struktur bremsen wird. Die Hauptproblematik der Globalisierung wird das globale Austarieren der virtuellen Ressourcen von Boden, Arbeit, Geld und Informationen sein. Die in eine nationale Kultur gegossen werden müssen. Wem gehört das Land, wo vorher Bauernbetriebe waren und jetzt Produktionsstätten stehen? Welche Klassen von Arbeitern entwicklen sich global in einem hierarchischen Gefälle? Welche Mittel der Geldstabilisierung können Nationen anwenden ohne globale Handels- und Aktienmärkte zu gefährden? Und welche Mittel der Geldstabilisierung können Nationen anwenden ohne militärische Aktionen der geldbezogenen Klassen auszulösen? Welche Geheimhaltung der Produktionsmethoden oder Transparenz der Märkte sorgt für Vertrauen und eine Stabilisierung des globalen Handels?
Alle diese Fragen können in ihrer momentanen Dynamik weltweit betrachtet werden. Darin geht es um die Zukunft des globalen Wirtschaftssystems.
Und nicht zu vergessen, eine Ausweitung der kapitalistischen Produktionsweise, bedeutet immer auch eine Ausweitung der Ausbeutung der Natur, die Grundlage aller Ressourcen ist. Ein weiterer Konfliktfaktor, der diskutiert gehört.
Dies alles sollte sich bewusst gemacht werden, bevor die Problempunkte angegangen werden. Die da sind: Klimakatastrophe, Globalismus, Populismus, Migrationsbewegungen, Dekolonisation, Eindämmung der weltweiten Gewalt zwischen Klassen, Rollen und zwischen vermeintlich existierenden unterschiedlichen Rassen.
Fürth, den 11.5.2024
Punkte, die ich nicht mehr in meine Argumentation einbezogen habe, die aber sicherlich interessant sind zu überdenken:
Wie haben sich die Begriffe von Genese (Evolution, Wachstum), Denken (Rationalismus, effektives Handeln), sowie Raum und Zeit im Rahmen der Industrialisierung geändert? Philosophische Literatur dazu gibt es genügend, sie aber im Rahmen der Industrialisierung und Entwicklung zum Kapitalismus historisch zu analysieren hat sicherlich seinen Reiz.


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