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Was ist Technik

Es ist ein weiter Weg von der Unterscheidung zwischen technē und physis, über Kunstfertigkeit, Kausalität, Kreativität, zweckhaften und instrumentellen Handeln, dem techno sozialen Handeln, der Technostruktur zur sozialkonstruktivistischem Technokultur und der Technik zur künstlicher Intelligenz.

Technik findet sich in der Kunstfertigkeit, der politischen Technik, der Rhetorik, der Ingenieurstechnik, der Bautechnik, der Kunstfertigkeit des Architekten, der Verwaltung- und Gesetzestechnik, der Technik von Maschinen- und Fabrikanlagen, der Computertechnik und der Bio- Chemie- Agrar- Medizintechnik. So das wir uns fragen müssen: Was ist nicht Technik? Es ist die Natur, die Physis, der Mensch, der Quantenraum und Weltraum. Per Definition ist alles keine Technik, was wir mit sozialem oder technischem Handeln verändern können, was der Technik gegenüber gestellt ist. Was wir im Gestell mit der Technik handhabbar machen können. So ist also auch die Nichttechnik ein Bereich der Technik. Was uns unheimlich erschien, solange wir die Nichttechnik nicht beherrschen konnten.

Technik ist so eng mit unserem Handeln verbunden, dass wir es nicht davon trennen können. Bei jeder menschlichen Handlung sind Teile des sozialen Raumes, was den Menschen umgibt, beteiligt. Wir können nicht alleine Handeln. Betrachten wir den sozialen Raum näher, gibt es eine Vielzahl von Techniken die wir benutzen können, die unser Wissen ausmacht und die wir im sozialen Raum gelernt haben. Von der Sprache, der symbolischen Artikulation, der Handhabung von Dingen, bis zum technisch, politischen und wissenschaftlichen Handeln. Es definiert uns. Der Mensch ist ein technisches Wesen. Alles hat eine technische Handhabungsstruktur. Die Ursprünglichkeit des sozialen Handelns besteht aus Jagd, Anbau, Ernährung, Familie, Gruppe, Nation, über hierarchisch feudale Strukturen zu heutigen kapitalistisch- demokratischen Organisationsformen. Technik im sozialen Raum ist die inhärente für die Systeme stabilisierende Möglichkeit, eine logisch, kausale Verbindung im Handeln menschlicher Subjekte herzustellen.

In der Technik zeigt sich eine erweiterte Möglichkeit des sozialen Handelns, was in den sozialen Verbünden im Tierreich in Ansätzen schon vorhanden ist. Die Benutzung zusätzlicher erlernbarer Handlungsoptionen unter der Zuhilfnahme interner sozialer Strukturen oder externer materieller Hilfsmittel. Ob es ein Stein zum Nüsseöffnen, ein Stock für den Ameisenbau oder das Erlernen gemeinsamen Fischens und Jagens ist. Technik ist darin immer an die Wissensverarbeitung und soziale Merkfähigkeit gebunden. Technik kann auch verlernt werden. Der Mensch besitzt die Fähigkeit sich vieles zu merken und dieses symbolische Wissen mit sozialen Motivationen und persönlichen Gefühlen zu verbinden. Der Mensch besitzt die Möglichkeit zusätzliche soziale oder technische Systeme zu erfinden und durch Lernen und soziale Strukturierung weiterzugeben. Das heißt nicht, es kommt im Tierreich nicht vor, dass sich in sozialen Verbünden selbständige, organisatorische Systeme bilden. Vielleicht haben wir noch keinen Blick dafür. In der menschlichen Geschichte haben sich diese organisatorischen Systeme aufgrund sozialer Techniken und biologischer Vorteile der menschlichen Natur herausgebildet. Die menschlichen organisatorischen Systeme konkurrieren miteinander und führen zu einer weiteren vorurteilsbehafteten Differenzierung und Strukturierung. Es ist das, was zur heutigen menschlichen Gesellschaft geführt hat. Das dieser Prozess so lange gedauert hat und plötzlich Fahrt auf genommen hat, zeigt, dass zusätzliche Elemente hinzugekommen wichtig wurden, wie politische, medizinische und wissenschaftliche Erkenntnisse und deren Organisationen. Eventuell hat es auch einen Zeitraum genetischer Veränderungen gebraucht, bis sich dieser Zustand stabilisierte und die Lernprozesse über soziale Systeme nicht verloren gingen. Das was wir oft als Technik sehen, sind die Material gewordenen, selbständigen Systeme, die vom sozialen System ausgeformt wurden. Speere fliegen unabhängig vom Menschen, Kanonenkugeln auch, Benzinmotoren laufen sogar länger ohne menschliches Zutun. Häuser, Türme und Mauern stehen alleine. Technik entsteht durch die stabilisierende Kommunikation sozialer Subsysteme und schafft zusätzliche Handlungsmöglichkeiten für die einzelnen Menschen, wie für die sozialen Systeme. Technische Artefakte sind Ausstülpungen der Kommunikation sozialer Systeme. Sie sind Handlungssymbol und Motivation für einzelne Subjekte. Das mag seltsam erscheinen beim Betrachten von Autos, Flugzeugen, Röntgenapparaten oder Kraftwerken. Doch was wir sehen ist, dass was wir erlernt haben. Die Symbolik und die Motivation unserer Handhabung von Technik. Ohne Lernen wäre eine Maschine eine chaotische zusammengesetzte Ansammlung von verschiedenen Materialien, die wir nicht verstehen würden. Ohne Gefühle, logischem Verständnis und Kommunikation können wir uns keinem technischem Gerät oder gesellschaftlicher Institution nähern.

Soziologisch betrachtet ist Technik eine zum sozialen Organisationsraum des Menschen zugehörige evolutionär systemstabilisierende und soziale Verhaltensmöglichkeit, die dem menschlichen Sozialverbund zusätzliche Handlungsmöglichkeiten gibt und zusätzliche selbstreferenzielle abhängige soziale Subsysteme schafft. Davon abgetrennt ist der Begriff der Technik, der die gesellschaftliche Erfahrung der Technik für den einzelnen normiert und ihm die Möglichkeit gibt die Symbolik, Motivation und Handhabbarkeit der technischen Artefakte zu erlernen. Es gibt einen Unterschied, wie Technik im sozialen Raum wirkt und was Individuen darunter verstehen. Der Unterschied ist da, weil der Einzelne die Technik handhaben muss. Je weiter jemand ein Meister seiner technischen Fähigkeiten ist, umso mehr erahnt der Einzelne die Zusammenhänge der beiden Welten, die er für seine Meisterschaft braucht.

Um dem allgemeingültigen Begriff der Technik näher zu kommen, sind Begriffe zu erklären, die im Technikbegriff wirken.

  • Evolution ist die Entwicklung der technischen Artefakte und gesellschaftlichen Entwicklung rückwirkend logisch strukturiert betrachtet. Hierzu zählen die Entwicklung der Jagdorganisation, der Gruppenhierarchie und Stadt und Staatsbildung genauso, wie die Entwicklung der Schneidewerkzeuge, Transportmöglichkeiten, des medizinischen Gesundheitswissens, der Dampfmaschinen oder Elektronennröhren. Ein spezieller Entwicklungsaspekt ist die soziale Entwicklung der Kommunikation über Zeichen, Zeichenwiederholungen, Liturgien, Rituale, Sprachentwicklung, Sprachraumentwicklungen zur institutionellen und organisatorischen Kommunikationsentwicklung, weil die Sprach, Ausdrucks, Logik, Lern und Kommunikationsmöglichkeiten direkt an die Grenzen der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeit gebunden sind. Worüber nicht kommuniziert werden kann, das kann sich nicht sozial entwickeln. An dieser Stelle ist es auch wahrscheinlich, dass menschliche genetische Veränderungen die Sprachausdrucks- und Lernmöglichkeiten verbessert haben. Das was wir sonst unter Evolution verstehen, dass sich das Gute, Bessere oder Stärkere durchsetzt, ist das gesellschaftlich objektivierte Urteil über die rückwirkende Wahrnehmung dieser Prozesse. Im Begriff der Evolution spiegelt sich die soziale Wahrnehmung ihrer eigenen Entwicklungsprozesse. Genauso wie im Begriff der Geschichte, der Genese oder der Entstehung der Welt, weil wir Zeit objektiveren. Da es in der Evolution um die Definition des eigenen sozialen Raumes geht, ist der Begriff stark den sozialen Herrschaftsdiskussionen der Organisationen und Institutionen ausgeliefert. So dass der Begriff kaum von politischen, religiösen und nationalen Instrumentalisierungen getrennt werden kann. Zusätzlich ist es in der Diskussion naheliegend die Selbstwahrnehmung der Herrschaftsdiskussion darüber zu integrieren, so dass das Machtverständnis den Begriff der Evolution auflädt. Der Evolutionsbegriff ist das machtvoll verstandene eigene Geschichtsverständnis der Gesellschaft.
  • Information ist das in einem sozialen System benutzte Wissen zur Strukturierung von Technik. Das besondere der menschlichen Evolution ist die Menge an Wissen, das der einzelne Mensch lernen und in Handlungen anwenden kann, sowie das Sprachvermögen, das die Übertragung der Informationen im sozialen Raum stark vereinfacht. Es sind jetzt nun nicht mehr nur Gerüche, einfache körperliche Zeichen oder komplizierte körperliche Handlungen, in denen Gefühle und Vorstellungen des anderen erahnt werden können, um die soziale Informationen übertragen, sondern nun können ganze Vorstellungswelten die Struktur des sozialen Raumes verändern. Der Informationsgehalt des menschlichen Gehirns und die Möglichkeit über Sprache ganze Geschichten zu erzählen, ermöglichte der menschlichen sozialen Entwicklung sich selbst stabilisierende soziale und technische Systeme, sowie Organisationen und Institutionen zu errichten. Medien sind sich selbst stabilisierende Systeme innerhalb der sozialen Systeme zur Informationsübertragung. Jede Sprache ist ein Medium und in einem dynamischen Wechselprozess zwischen der Subjektivierung und Objektivierung im sozialen Raum. Sprachen wandeln sich dauernd. Nicht Tontafeln, Papyrus oder Bücher sind Medien, sondern der gesamte technische Produktionsprozess zur Erzeugung der Tontafeln, Papiere und Bücher, der soziale, technische Prozess der Benutzung zur Zwischenspeicherung von Informationen und der zur Stabilisierung der beteiligten Systeme benötigte Motivationsraum, der die Subjekte im Handeln leitet. Dies alles in einer lernenden sozialen Struktur. Das geselleschaftlich die Zusammenhängen verstanden werden, zeigt sich z.B. im Begriff des Fernsehens. Es ist damit nicht nur das Gerät, sondern der ganze mediale Zusammenhang gemeint. Medien sind stark komplexe Systeme mit großem sozialem Einflussbereich und stark dem Druck anderer Systeme ausgeliefert. Die Erfindung von Medien, die Möglichkeit Informationen zu speichern und zu übertragen, ist ein zentrale Bedingung der Evolution der menschlichen sozialen Gemeinschaft.
  • Handel ist die Kommunikation über Ressourcen und deren Zuordnung an soziale Systeme. Da im Handel das Wissen über Ressourcen und deren Zuordnung gespeichert wird, z.B. in Rechnungsabschlüssen, Tausch und Bezahlvorgängen, und dies im Prozess des Handelns weitergegeben wird, ist Handel ein ressourcenabhängiges, spezifisches Kommunikationsmedium. Im Gegensatz zu den allgemeineren Kommunikationsmedien, die Wissen übertragen und soziale Systeme strukturieren und stabilisieren, ist Handel im sozialen System ressourcenbildend und damit auch starken normativen und politischen Interessen ausgeliefert. Das Kommunikationsmedium Handel stabilisiert soziale Systeme über Ressourcenbildung. Ich werde hier den Begriff des Handelns nicht weiter erörtern. Ich habe ihn nur kurz angedeutet. In den Besprechung des Spannungsfeldes zwischen Kapitalismus und Demokratie werde ich weiter darauf eingehen. Wichtig ist, dass der Handel zum Begriff der Technik substanziell hinzugehört.

Die Begriffswelten der Evolution, der Information und des Handelns sind tief im sozialen Strukturierungsprozess eingebunden, was zu dauernden gesellschaftlich, wie politisch heftigen Interessenskonflikten zwischen den Systemen führt. Geschichte, Wissen und Wirtschaft sind grundlegende Mechanismen des menschlichen Sozialverhaltens.

Eine weitere Ebene der Technik ist ihre politisch, gesellschaftliche Verflechtung. Da die soziale Evolution durch die Technik erfolgt und erweiterte Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten schafft, ist Technologie nie neutral. Die Beziehung von Mensch und Technik erzeugt Visionen, Wünsche, Ängste und die Forderung nach normativen Begrenzungen. Technik ist wünschenswerte Innovation. Sie macht uns aber auch Angst. So führt uns die Technik in eine Innovations- wie Krisengesellschaft. Technik erscheint instrumental und strategisch. Gleichzeitig erscheint sie in ihren Ausblendungen aber auch neutral und indifferent zu Politik und Religion. In ihrer Innovation wirkt sie rational und effizient. Zur Raum und Zeit ist sie neutral und zur Natur entgegengesetzt. Alle diese Bewertungen beschreiben die Wirkung der Technik und beziehen sich in Wirklichkeit auf die Evolution der sozialen Systeme und deren Wirkung. Nicht Schiffe sind schuld, wenn Wälder abgeholzt werden, sondern die Gesellschaft, die dahinter steht und für Handeln und Kriegsgeschäfte aus strategischen Gesichtspunkten heraus das Holz der Bäume benötigt um die Schiffe zu bauen. Nicht die Autos sind Schuld, wenn die weltweite Durchschnittstemperatur steigt und den menschlichen Lebensraum einschränkt, sondern die instrumentellen Interessen der Organisationen und Institutionen, die die globalen Auswirkungen in ihrer Eigenwahrnehmung nicht verarbeiten können. Die Technik dient nicht der Unterdrückung der Arbeiter, der Kontrolle der Mitglieder einer Gesellschaft oder der Ausbeutung der Natur. Sondern das sind Auswirkungen der strategischen Interessen, der dahinter stehenden Systeme, Organisationen und Institutionen. Deren Mitglieder kennen alle die zugrundeliegenden Informationen, bewerten aber aus organisatorisch instrumentellen Interessen die Informationen unterschiedlich und schließen gewisse Informationen aus. Die Kälte und Instrumentalität der Technik ist kein Ausdruck der Funktionalität der Welt, sondern ein Ausdruck der Funktionalität der beteiligten sozialen Systeme. Technologiekritik ist immer auch Kritik der Herrschaftsdiskussionen und Systeme, die darin zutage treten. Die weltweite Vernetzung und Digitalisierung durch Informationssysteme ist eine neue Art von Medium und erschafft neue darauf aufbauende soziale Systeme, Organisationen, Institutionen, Rollen, Normen und Verhaltensweisen. Die Geschwindigkeit, Transparenz und Größe der Wissensspeicherung- und Produktion führt zu komplett neuen sozialen Effekten und spezifischen Herrschaftsdiskussionen in vernetzten Informationsräumen, die heute noch gar nicht voraus zu sehen sind, noch im historischen Kontext verstanden werden können. Das ist heute in der Diskussion zur KI Forschung sichtbar. In der Diskussion sind weder die Rollen, Normen, noch Systeme abgesteckt um die es geht. Aber es wird in der Diskussion versucht Räume für diese Systeme zu schaffen.

Zusammenfassend ist die technische Entwicklung nicht von der menschlichen sozialen Entwicklung zu trennen. Technik ist eine Art der Kommunikation der sozialen Systeme, die vom Einzelnen in logisch, kausalen Zusammenhängen und technischen Artefakten, verbunden mit der Motivation zum Handeln erfahren wird.

Da die Evolution der sozialen Systeme an die Technik gebunden ist und die Entwicklungsmöglichkeiten und Ressourcen der sozialen Systeme bestimmt, findet jede Diskussion über Technik auch auf einer gesellschaftlich, politischen Ebene statt.

Fürth, den 17. Juni 2023

Veröffentlicht in Allgemein Klimaveränderungen

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